Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 23.03.2018


Mobilität

Selbstfahrende Züge und 1,5 Mio. E-Autos bis 2030

Asfinag und ÖBB rechnen in den kommenden Jahren mit einem Schub für E-Autos und selbstfahrende Fahrzeuge.

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Von Stefan Eckerieder

Wien – Beim heimischen Autobahnenbetreiber Asfinag geht man davon aus, dass E-Autos und selbstfahrende Lkw in einigen Jahren zum gewohnten Straßenbild gehören werden. Die Staatsbahn ÖBB kann sich zugleich vorstellen, selbstfahrende Mini-Züge künftig im Regionalverkehr einzusetzen.

Unfälle wie jener vor wenigen Tagen in Arizona, als ein selbstfahrendes Auto eine Fußgängerin überfahren hat, ohne dass die Sensoren im Auto reagiert haben, würden zeigen, dass „die Technologie noch nicht alles kann“, sagt Martin Russ, Chef der Bundesgesellschaft für technologiepolitische Maßnahmen AustriaTech. Dennoch rechnen Experten mit einem Schub für E-Mobilität und selbstfahrende Fahrzeugtechniken. „Für 2030 rechne ich damit, dass sowohl Batterie- als auch Brennstoffzellen-Elektrofahrzeuge die Neuwagenflotte dominieren“, sagt Andreas Dorda von der Abteilung Mobilitäts- und Verkehrstechnologie des Infrastrukturministeriums bei einem Pressegespräch in Wien. Das Umweltbundesamt geht zu diesem Zeitpunkt von bereits bis zu 1,5 Mio. E-Autos inklusive Plug-in-Hybridfahrzeugen auf den öster­reichischen Straßen aus. Mit Radaranlagen teste die Asfinag bereits auf der A2 in der Nähe von Graz, wie selbstfahrende Autos in bestimmten Situationen reagieren und welche Auswirkungen das auf die Lenker hat, erklärt Bernd Datler von der Asfinag.

Autos würden künftig auch nicht mehr in Konkurrenz zum öffentlichen Verkehr stehen, meint Russ. Vielmehr würde die so genannte Multimodalität in den Fokus rücken. „2030 wird es Pauschaltarife für alle Mobilitätsbedürfnisse geben, für Bus, Straßenbahn, Bahn, Taxi und Mietwagen.“

Während Hochgeschwindigkeitszüge bereits seit Jahrzehnten automatisiert unterwegs seien, würde auf Nebenstrecken mit geringer Nachfrage, wo heute noch Dieselloks zum Einsatz kommen, an neuen Technologien geforscht, sagt Mark Topal-Gökceli von den ÖBB: „Die Zukunft könnten hier vollautomatisierte Klein-Units – also Klein-Züge mit sechs bis neun Plätzen – sein.“

Bei Europas größter Verkehrsforschungskonferenz, die von 16. bis 19. April erstmals in Wien stattfindet, suchen rund 3000 Experten aus aller Welt Antworten auf die Herausforderungen der Mobilität der Zukunft. Im Fokus stehe dabei unter anderem die Dekarbonisierung des Verkehrs und Regeln für autonomes Fahren, sagt Russ, dessen Gesellschaft die Konferenz gemeinsam mit der EU organisiert.