Letztes Update am Mo, 07.05.2018 09:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Markt

Viel mehr Privatpleiten mit viel höheren Schulden

Die Privatinsolvenzen sind um 58 Prozent angestiegen – demnach werden wöchentlich 200 Privatkonkurse eröffnet.

© iStockphoto(Symbolfoto)



Wien – Nach sechs Monaten mit den neuen Privatkonkursregeln zieht der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) aus Sicht eines Gläubigerschutzverbandes eine Zwischenbilanz. Diese zeigt, dass die Privatinsolvenzen um 58 Prozent angestiegen sind und wöchentlich 200 Privatkonkurse eröffnet werden. Ein knappes Drittel der Privatpleiten wird an Wiener Bezirksgerichten abgewickelt.

Seit Inkrafttreten der Reform am 1. November 2017 wurden in den folgenden sechs Monaten bis 30. April 5211 Privatinsolvenzen eröffnet. Die Reform führte laut AKV zu „einem noch nie da gewesenen Ansturm auf die Privatkonkursgerichte“. Also erwarten die Gläubigerschützer, dass heuer erstmals seit dem Jahr 1995 mehr als 10.000 Privatkonkurse eröffnet werden. Die Zunahme startete so richtig heuer im Jänner.

Zahlungspläne mit Quoten

In erster Linie nehmen einkommensschwache Schuldner mit relativ geringen Verbindlichkeiten und ehemalige Unternehmer mit besonders hohen Verbindlichkeiten die neuen Privatkonkursregeln in Anspruch. Die Reform brachte den Entfall der zehnprozentigen Mindestquote, eine Gratisentschuldung gibt es aber nicht. Fast alle Schuldner mit nicht pfändbarem Einkommen bieten demnach Zahlungspläne mit Quoten an, so der AKV. Die rund 20 Prozent schwere bisherige durchschnittliche Zahlungsplanquote werde nach der Insolvenzrechtsänderung aber „mit Sicherheit künftig nicht mehr erreicht“.

Alleine in den ersten vier Monaten heuer betrugen die Gesamtpassiva der eröffneten Privatkonkurse knapp 474 Mio. Euro, so der AKV. Die durchschnittlichen Verbindlichkeiten haben sich von zuletzt knapp 110.000 auf nun knapp 130.000 Euro gesteigert. „Vor allem die Privatkonkurse von Ex-Unternehmern mit Millionenverbindlichkeiten führten zu einer beträchtlichen Erhöhung der Gesamtpassiva um 40 Prozent.“

Die größte Privatinsolvenz des Jahres 2018 bisher ist jene eines Kärntner Ex-Unternehmers mit 14,9 Mio. Euro gewesen. Die Privatinsolvenz des vormaligen SK-Sturm Präsidenten Hannes Kartnig mit Passiva von rund 8,8 Mio. Euro ist heuer österreichweit nur die viertgrößte Privatinsolvenz. (APA)