Letztes Update am Di, 29.05.2018 15:32

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Finanzmarkt

Italien macht Börsen zu schaffen: Euro auf Zehn-Monats-Tief

Laut Experten wird die nächste Italien-Wahl zur Zerreißprobe für die Eurozone. Renditen südeuropäischer Staatsanleihen sin wieder auf dem Vormarsch.

© AFPDie Mailänder Börse steht unter Druck.



Frankfurt – Aus Sorge vor einer neuen Eurokrise haben die Anleger am Dienstag europäische Wertpapiere und den Euro aus ihren Depots geworfen. Der Dax fiel um bis zu zwei Prozent auf 12.608 Punkte, der EuroStoxx50 um 2,4 Prozent auf 3.398 Zähler. Der Euro rutschte um einen US-Cent auf 1,1511 Dollar ab und hat damit seit Monatsbeginn rund fünf US-Cent verloren.

Italien-Wahl als Referendum über Zukunft Europas

„Nachdem die Regierungsbildung in Italien vorerst gescheitert ist, bleibt die Unsicherheit über den Zusammenhalt im Euroraum groß“, fassten die Analysten der Metzler Bank die Stimmung zusammen. „Zumal seit vergangener Woche Meldungen aus Spanien weitere Sorgen vor einem politischen Chaos in der Eurozone schüren.“

Nach der gescheiterten Regierungsbildung durch die populistische Fünf-Sterne-Bewegung und die rechtsextreme Lega steuert Italien auf Neuwahlen zu. Viele fürchten, dass diese Wahlen de facto zu einem Referendum über die Zukunft des Landes in Europa werden könnten. Die Ereignisse in Rom riefen die EZB und Italiens Notenbankchef Ignazio Visco auf den Plan – sie mahnten vor einer neuen Eurokrise. In Spanien könnte das Parlament Medienberichten zufolge noch in dieser Woche über einen Misstrauensantrag gegen den konservativen Regierungschef Mariano Rajoy debattieren.

Börsen unter Druck

Besonders unter Druck blieben die Börsen in Mailand und Madrid: Der italienische Leitindex fiel zeitweise um 3,7 Prozent, sein spanisches Pendant um 3,2 Prozent. Auch am Rentenmarkt setzte sich der Ausverkauf der italienischen Staatsanleihen fort, die die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein Vier-Jahres-Hoch von 3,452 Prozent trieb. Die vergleichbaren Papiere aus Spanien und Portugal blieben ebenfalls unter Druck, so dass deren Renditen zeitweise auf 1,8 und 2,7 Prozent schnellten. Dies erhöht die Refinanzierungskosten für die hoch verschuldeten Länder. Im Gegenzug stiegen die Anleger in deutsche Bundesanleihen und US-Bonds ein, was deren Renditen wiederum drückte.

In den Strudel gerieten vor allem Bankaktien, die in großem Umfang europäische Staatsanleihen halten. Die italienischen Institute verloren im Schnitt rund sechs Prozent. Die im EuroStoxx50 gelisteten italienische Intesa SanPaolo und die spanische Banco Santander verloren je fast sieben Prozent. Der Bankenindex der Eurozone steuerte mit einem Minus von 5,2 Prozent auf den größten Tagesverlust seit Sommer 2016 zu.

Die Aktien der Deutschen Bank brachen um 5,7 Prozent auf 9,71 Euro ein und notierten damit erstmals seit September 2016 unter die psychologisch wichtige Marke von zehn Euro. Sie nähern sich damit dem seinerzeit markierten Rekordtief von 8,83 Euro an. Commerzbank rutschten um sechs Prozent auf ein 13-Monats-Tief von 8,78 Euro ab.

Ansonsten sorgten die im SDax gelisteten Titel von Grammer mit einem Plus von knapp 22 Prozent auf 62,40 Euro für Furore: Der chinesische Großaktionär Ningbo Jifeng will den Autozulieferer komplett übernehmen.

Spannung vor Handelseröffnung in New York

Mit Spannung warteten die Anleger in Europa auf die Handelseröffnung in New York. Denn die US-Börse war am Montag feiertagsbedingt geschlossen. Die US-Futures signalisierten Kursverluste von 0,4 bis 0,6 Prozent. (APA/Reuters)