Letztes Update am Mo, 04.06.2018 14:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Einrichtungsbranche

Kika/Leiner in der Krise

Der Finanzskandel beim Mutterkonzern stellt die Österreich-Tochter vor weitere Hürden. Am Freitag entschieden große Kreditversicherer, etwaige Forderungsausfälle für Steinhoff-Lieferanten weltweit nicht mehr abzusichern. Nun sucht Kika/Leiner nach einer Lösung. Lieferanten geben der heimischen Möbelhandelsgruppe vorerst eine Schonfrist bis Ende der Woche.

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St. Pölten, Sandton – Bei der heimischen Möbelhandelsgruppe Kika/Leiner spitzt sich die Lage weiter zu: Nachdem Kreditversicherer entschieden haben, Forderungsausfälle für Lieferanten bei der Konzern-Mutter Steinhoff weltweit nicht mehr abzusichern, muss sich die österreichische Gesellschaft nun nach einer Lösung umsehen. Viel Zeit bleibt nicht, Lieferanten geben Kika/Leiner vorerst eine Schonfrist bis Ende der Woche.

Unregelmäßigkeiten in Bilanzen bei Steinhoff

Die österreichischen Möbelhäuser Kika und Leiner sind durch den Bilanzskandal der Konzernmutter Steinhoff in den letzten Monaten immer tiefer in die Krise gerissen worden. Vergangenen Dezember räumte die Nummer zwei im weltweiten Möbelhandel hinter Ikea Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen ein, die Aktien des Unternehmens gingen auf Talfahrt und stürzten zeitweise um mehr als 90 Prozent in die Tiefe. Der südafrikanische Möbelriese saß zu diesem Zeitpunkt auf einem Schuldenberg von 10,7 Mrd. Euro und ringt seither ums finanzielle Überleben.

Kurz vor Jahresende geriet dann auch die Österreich-Tochter Kika/Leiner mit rund 5000 Mitarbeitern in die Bredouille: Steinhoff drehte den Geldhahn zu. Um die Löhne zu zahlen, wurde der Leiner-Flagshipstore auf der Wiener Mariahilferstraße in einer Notaktion versilbert – das Haus ging um kolportierte 50 bis 70 Mio. Euro an den Tiroler Immobilienmilliardär Rene Benko.

Anfang 2018 attestierte der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) Kika/Leiner ein „leicht erhöhtes Risiko“ und empfahl den Lieferanten der heimischen Möbelkette, vorübergehend nicht unbesichert auf offene Rechnung zu liefern.

Ende Jänner einigte sich Kika/Leiner dann mit dem angeschlagenen Eigentümer auf eine millionenschwere Geldspritze und sah sich auf Kurs. Für „bis zu 24 Monate“ soll die Finanzierung reichen, sagte Gunnar George, Geschäftsführer von Kika/Leiner Österreich, damals und bemühte sich um Schadensbegrenzung: „Kunden werden ihre Möbel bekommen“, versicherte er. Anzahlungen würden weiter auf einem Treuhandkonto liegen, Steinhoff habe keine Zugriffsmöglichkeit auf Gelder von Kika/Leiner.

Um einen Sparkurs kam der heimische Möbelhändler trotzdem nicht herum, alle Filialen kamen auf den Prüfstand. Für zwei Lipo-Märkte, ein Kika- und ein Leiner-Möbelhaus bedeutete die Restrukturierung das Aus, 150 Jobs wackeln, hieß es im März. Insgesamt sollten 46 der 50 Standorte bestehen bleiben.

Suche nach Kreditversicherung

Am Freitag zogen die Kreditversicherer aufgrund der Schieflage bei Steinhoff International die Notbremse und weigerten sich, Lieferungen an den Konzern weiterhin abzudecken. Davon ist auch die Österreich-Tochter betroffen, die sich nun um eine andere Kreditversicherung kümmern muss. Kika/Leiner habe sich in ersten Gesprächen mit Lieferanten auf eine Schonfrist bis Ende der Woche geeinigt. „Um uns nicht in Schwierigkeiten zu bringen, werden sie die nächsten Tage erst einmal ‚business as usual‘ machen“, sagte George im Ö1-Mittagsjournal vom Montag.

Kika und Leiner gehören seit 2013 zum Steinhoff-Konzern mit 130.000 Mitarbeitern in mehr als 30 Ländern. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte die heimische Möbelkette nach eigenen Angaben eine schwarze Null, der Umsatz in Österreich lag bei etwa 800 Mio. Euro. Im osteuropäischen Raum wurden Erlöse in Höhe von 200 Mio. Euro verbucht. (APA)