Letztes Update am Di, 05.06.2018 20:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Markt

Möbelkette in der Krise: XXXLutz möchte Kika/Leiner kaufen

Das Möbelhaus XXXLutz hat „grundsätzliches Interesse“ an einer etwaigen Übernahme des strudelnden Konkurrenten Kika/Leiner bekundet. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) würde einen Notverkauf an den Mitbewerber möglicherweise nicht blockieren.

© www.picturedesk.com(Symbolfoto)



Wien/St.Pölten – Der strudelnde Möbelriese Kika/Leiner dürfte derzeit mehr Aufmerksamkeit erhalten, als ihm lieb ist. Sogar der große Konkurrent XXXLutz hat am Dienstag Interesse an einer Übernahme angemeldet. Zuvor erklärte der Chef der Bundeswettbewerbsbehörde, Theodor Thanner, im Ö1-Radio einen Notverkauf unter Auflagen an Lutz für möglich. Die Verunsicherung unter den Mitarbeitern ist groß.

„Wenn sich eine Möglichkeit auftut, wären wir da“, sagte XXXLutz-Sprecher Thomas Saliger. Wie XXXLutz Thanner verstehe, gebe es Möglichkeiten und man würde dabei gerne „Partner sein“ – wie groß auch immer jene Teile seien, die man möglicherweise übernehmen könnte. „Wir sind jedenfalls bereit, in Gespräche zu treten“, so Saliger.

5000 Mitarbeiter betroffen

Lutz würden nicht nur die Kika/Leiner-Mitarbeiter am Herzen liegen, sondern auch die Branche an sich: „Wenn es in der Branche Verunsicherung für die Konsumenten gibt, ist das für uns nicht nur gut“, so der XXXLutz-Sprecher, der allerdings auch davon sprach, dass sein Unternehmen seit der Probleme beim Konkurrenten im Jänner stärker geworden sei.

Kika/Leiner wird derzeit als nicht kreditwürdig eingestuft. Aus informierten Kreisen hieß es gegenüber der APA, dass beurteilende Stellen derzeit keine Kreditempfehlung für Darlehen an Kika/Leiner geben. Es wird demnach auf die derzeit laufenden Gespräche des Unternehmens mit finanzierenden Stellen verwiesen - und dabei bleibe die Entwicklung abzuwarten.

„Viele Kolleginnen und Kollegen machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz“, so Kika-Betriebsratsvorsitzende Sonja Karner. Sie hofft, dass die Auszahlung der Gehälter und des im Juni anstehenden Urlaubsgeldes für die mehr als 5000 Mitarbeiter nicht gefährdet sind. „Wir gehen davon aus, dass die Geschäftsführung uns zeitnah über alle weiteren Entwicklungen informiert.“

„Hausaufgaben machen“

Der Gläubigerschützer Hans-Georg Kantner vom KSV zeigte sich am Dienstag am Rande einer Pressekonferenz immerhin „vorsichtig optimistisch mit dem Unternehmen, das es im Jänner schon einmal geschafft hat“. Eine „Schwelle“ seien aber Urlaubsgelder, die im laufenden Monat zu bezahlen seien. „Das Management ist gefordert, seine Hausaufgaben zu machen“, so Kantner.

Die „Hausaufgaben“ seien etwa, Verhandlungen mit Partnern und Lieferanten zu führen, sagte der Kreditschutzexperte. Gut sei hierbei, dass sich die Handelnden kennen würden. Fazit: „Wir werden uns überraschen lassen.“

Kika/Leiner wollte vorerst keine Medienanfragen beantworten.

Am Freitag hatte ein großer Kreditversicherer die Notbremse gezogen und beschlossen, etwaige Forderungsausfälle nicht mehr abzusichern. Bei Kika/Leiner versucht man nun, die Lieferanten bei der Stange zu halten und ist seither auf der Suche nach einer Lösung. (APA)

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