Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 01.07.2018


Markt

Niedrigzinspolitik senkt Ertragsaussichten

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Innsbruck – Vermögensverwalter erwarten, dass traditionelle Aktien- und Anleihenportfolios in den kommenden Jahren deutlich niedrigere Erträge erzielen werden als in den letzten fünf Jahren.

„Die aktuell niedrigen Anleihezinsen sind Gift“, erklärt Michael Posselt, Fachgruppenobmann der Finanzdienstleister in der Wirtschaftskammer. Denn, wenn – wie von der Europäischen Zentralbank (EZB) angekündigt – die Zinsen 2019 steigen, führe dies zu Kursverlusten in den Rentenportfolios, die nicht von Zinskupons aufgefangen werden können. Problematisch, so Posselt, könne sich auch die Rücknahme der Anleihenkäufe der EZB auswirken. Die Anleger hätten sich es mit der von der Zentralbank bereitgestellten Liquidität bequem gemacht, allerdings dürfte es nun an den Märkten erheblich volatiler werden. Auch ein Ansteigen der Inflation bringe neue Herausforderungen.

Für Posselt sind es drei strukturelle Trends, welche die Preise bisher in Schach gehalten haben, nun aber das Gegenteil bewirken könnten. Die Arbeitsbevölkerung schrumpft, das erhöhe die Arbeitskosten, und die Globalisierung ist auf dem Rückzug, was wiederum die Produktionskosten erhöhe. Zudem würden die Schulden weiter steigen, weil die Austerität der Staaten nach der großen Kriese vorbei sei und ebenso die Konsolidierung des Privatsektors auslaufe. Dazu würden auch leicht steigende Zinsen ihren Teil beitragen. Einige Regierungen könnten unter diesen Umständen versucht sein, die Schulden per Inflation in den Griff zu bekommen.

Posselt sieht zwar immer noch Möglichkeiten, gute Renditen zu erzielen, was aber auf längere Zeit nicht mehr funktionieren würde, ist, ohne Risiko hohe Zinsen oder regelmäßige Erträge zu erzielen. (hu)




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