Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 11.07.2018


Abgas-Skandal

300 Tiroler bei VW-Sammelklage

Beteiligte berichten von Mängeln nach Software-Update. Porsche Holding kritisiert „einseitige Studie“.

© Reuters3100 VW-Dieselfahrer haben sich bislang der privaten Sammelaktion angeschlossen



Wien – Bei vielen VW-Dieselbesitzern ist der Frust nach dem Abgas-Skandal groß. Zwei Drittel derjenigen, die sich der privaten Sammelklage-Plattform Cobin Claims angeschlossen haben, berichten von Mängeln am Fahrzeug, nachdem das Software-Update durchgeführt wurde. Das erklärte Cobin-Claims-Geschäftsführer Oliver Jaindl gestern unter Berufung auf eine Umfrage unter den auf „dieselklage.at“ Angemeldeten. Der Verein will im Schnitt rund 2000 Euro für die Teilnehmer erstreiten.

„Cobin Claims macht pro Auto einen Schaden von 15 bis 20 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises geltend“, sagte Jaindl. Aus Sicht von Cobin Claims gebe es „keinen ohne Schaden durch den Abgas-Skandal“. So berichten von den 453 Befragten 67 Prozent von Mängeln nach dem Update wie erhöhter Spritverbrauch, Motorstottern und Absterben. Zahlreichen Fahrern seien Zusatzkosten durch Reparaturen entstanden.

Zudem seien fast alle vom Preisverfall bei Dieselautos betroffen. Von den 18 Umfrage-Teilnehmern, die ihr Auto verkauft haben, gaben 16 an, einen geringeren Kaufpreis erhalten zu haben. Sollten Fahrverbote in Städten kommen, würde sich der Wertverlust noch deutlich erhöhen, sagen die Cobin-Claims-Anwälte.

Bisher haben rund 3200 Betroffene 3300 Fahrzeuge bei Cobin Claims angemeldet, knapp zehn Prozent davon aus Tirol. Bei 91 Prozent wurde ein Software-Update durchgeführt. Eine Teilnahme an der Sammelaktion gegen Volkswagen ist noch bis zum 15. August möglich. Am 18. September verjähren die Schadenersatzansprüche. Eine ähnliche Sammelaktion gibt es vom Verein für Konsumenteninformation (VKI).

Als „völlig einseitig“ und „nicht repräsentativ“ für die Gesamtheit der betroffenen Kunden kritisiert ein Sprecher des VW-Vertriebs Porsche Holding die Cobin-Claims-Befragung unter Sammelaktion-Teilnehmern. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) habe für alle freigegebenen Modelle bestätigt, dass mit dem Update keine Nachteile verbunden seien. Zudem gebe es kaum Beanstandungen. Der Sprecher vermutet eine Werbeaktion hinter der „unsachlichen Umfrage“. (ecke)




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