Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 02.08.2018


Bezirk Kitzbühel

Kitzbüheler Tourismus Hoangascht: „Die Zukunft passiert nicht“

Geringe Beteiligung beim Kitzbüheler Tourismus Hoangascht mit hochkarätigem Referenten.

© MoralesSymbolbild.



Von Harald Angerer

Kitzbühel – Ein äußerst spannendes Thema behandelte gestern Vormittag der nun vierte Tourismus Hoangascht des Kitzbühel Tourismus. Dabei wurde das Impulsreferat von Peter Zellmann zum Thema „Tourismus im digitalen Zeitalter“ gehalten. Doch die Sitzreihen im Veranstaltungssaal der Musikschule Kitzbühel waren spärlich gefüllt. Insgesamt waren es 26 Personen, welche dem Vortrag lauschten. Und davon waren die Touristiker die absolute Minderheit.

Der Tourismus Hoangascht wurde von TVB-Präsidentin Signe Reisch heuer eingeführt, da es viel Kritik gab, als sie den Tourismus-Stammtisch ihres Vorgängers eingestellt hatte. Doch Reisch gibt sich nach der vierten Auflage ernüchtert. „Ich bin schon enttäuscht darüber, wie der Tourismus Hoangascht angenommen wird. Dabei wurde ich doch so dafür kritisiert, den Stammtisch beendet zu haben. Die Veranstaltungen sind wirklich hochkarätig und für alle unsere Mitglieder interessant“, sagt Reisch.

Die Anwesenden konnten sich aber über einen überaus spannenden Vortrag freuen. „Digitalisierung ist Trend, aber nicht die Zukunft“, betont Zellmann. Dabei ginge es nicht darum, die Digitalisierung zu verteufeln, sondern sie als Werkzeug zu sehen. Die Zukunft sieht er im Tourismus ganz wo anders, hier habe vor allem eine Tourismusregion wie Kitzbühel großes Potenzial. Das wahre Potenzial liege in der personenbezogenen Dienstleistung. Nur in diesem Bereich werde es in Zukunft Wachstum bei den Arbeitsplätzen geben. Er betonte aber auch: „Zukunft passiert nicht, sie wird von uns gestaltet.“

Der Tourismus hätte einen ganz großen Vorteil für eine Region. Bei anderen Branchen gäbe es eine Abwanderung, nur im Tourismus wären die Arbeitsplätze ortsfest, wie Zellmann betont. „Der Bevölkerung ist das auch bewusst, aber den Politikern nicht“, sagt Zellmann. Dem Tourismus würde noch immer zu wenig Bedeutung zugemessen. Für Zellmann ist die Branche eine Leitwirtschaft für die Zukunft. „Es ist kein Zufall, dass die Schüler der Tourismusschulen von anderen Branchen abgeworben werden“, sagt Zellmann. Die Kompetenzen der Touristiker seien auch in allen anderen Branchen gefragt.

„Wenn nicht in Kitzbühel, wo sonst muss man über den Winter reden“, sagt Zellmann und gab zum Abschluss seines Vortrages einen Ausblick auf den Wintertourismus. „Der Ausstieg aus dem Skilauf findet statt, aber der Tourismus ist davon noch nicht betroffen“, erklärt Zellmann. Das liege daran, dass Skifahren als Urlaubsangebot nach wie vor gefragt ist, aber als Freizeitaktivität rückläufig. Es gelte, vor allem im Osten von Österreich nicht auf den Skinachwuchs zu vergessen. Eventuell mit Kleinskigebieten in der Nähe von Wien. Denn eines sei klar: „Es gibt keinen Wintertourismus ohne Skilauf.“