Letztes Update am Mi, 01.08.2018 12:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreich

2017 mehr Stromausfälle: Kunden 32 Minuten ungeplant ohne Strom

Durch häufigere Extremwetter ist es für die Netzbetreiber 2017 schwieriger geworden, das gelte etwa für Stürme mit Schwerregen und Vermurungen.

© iStock(Symbolfoto)



Wien – Österreichs Stromkunden waren voriges Jahr wegen ungeplanter Stromausfälle durchschnittlich fast 32 Minuten ohne Elektrizität, um knapp acht Minuten länger als 2016. Die Ursachen für den Anstieg sind klar wetterbedingt, sagt Energie-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch, der den Netzbetreibern „einen sehr guten Standard der Versorgungssicherheit“ attestiert.

Durch häufigere Extremwetter sei es für die Netzbetreiber 2017 schwieriger geworden, das gelte etwa für Stürme mit Schwerregen und Vermurungen sowie Windwurf, d.h. Bäume, die zusammenbrechen und dann Leitungen ruinieren. Allerdings sei es auch Aufgabe der Netzbetreiber, die Baumkronen an Leitungen regelmäßig zurechtzustutzen.

Gut die Hälfte der ungeplanten Lieferunterbrechungen - 17 der knapp 32 Ausfallsminuten - waren durch Witterungseinflüsse bedingt, zeigten Analysen. Hier habe es 2017 einen Höchststand seit 2010 gegeben. Laut Mitteilung des Wetterdienstes UBIMET und der UNIQA-Versicherung sei 2017 das seither extremste Wetterjahr gewesen. Gegenüber 2016 hätten allein die atmosphärisch bedingten Ausfälle um über 65 Prozent zugenommen. Alle übrigen ungeplanten Ausfallsursachen hätten nur um 5 Prozent zugelegt.

-

Im mehrjährigen Vergleich sind die ungeplanten Stromausfälle zurückgegangen. Voriges Jahrzehnt gab es noch mehrere Jahre mit über 40 Minuten Ausfall im Jahr - und sogar zwei Jahre mit je rund 55 Minuten. Die gegenwärtig recht geringen Ausfälle und die damit verbundene Versorgungssicherheit könne als weiter sehr gut und das Niveau als sehr hoch bezeichnet werden.

Extremereignisse rascher im Griff

In der EU stehe Österreich recht gut da, sagt Urbantschitsch, der solche Vergleiche aber mit Vorsicht anstellt. Kunden in Italien etwa hatten 2016 für 37 Minuten keinen Strom (aktuelle Zahlen liegen noch nicht vor), in Frankreich 49 Minuten und in Tschechien 73 Minuten. Sehr zuverlässig war laut solchen Daten die Versorgung in Deutschland mit nur 13 Minuten Ausfall 2016.

Sogenannte außergewöhnliche regionale Ereignisse haben die Netzbetreiber nach Einschätzung der E-Control 2017 rascher im Griff gehabt. Die durchschnittliche Dauer solcher nicht vorhersehbarer Ausfälle aufgrund extremer Wetterlagen sank nämlich von acht auf knapp über fünf Stunden. Am häufigsten waren solche Extremsituation im August, Dezember und Oktober.

Addiert man die ungeplanten (31,88 Minuten) und geplanten Versorgungsunterbrechungen (14,04 Minuten) - ohne regionale außergewöhnliche Ereignisse -, kommt man auf 45,92 Minuten an kundenbezogener Nichtverfügbarkeit (SAIDI). Die aus Sicht der Netzbetreiber interessantere leistungsbezogene Nichtverfügbarkeit (ASIDI) lag 2017 in Österreich bei 45,05 Minuten; differenziert nach geplanten und ungeplanten Störungen (ohne regionale ao. Ereignisse) ergeben sich Werte von 14,72 und 30,33 Minuten. (APA)