Letztes Update am Di, 04.09.2018 06:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Preiswende

Strom wird teurer, Angst vor Blackouts

Die E-Control erwartet steigende Stromkosten und mahnt Großinvestitionen für die Versorgung ein.

© PantherMedia(Symbolfoto)



Von Alois Vahrner

Innsbruck – Österreichs Haushalte mussten im Juli laut Energiepreisindex der Österreichischen Energieagentur um 7,9 Prozent mehr für Energie zahlen als im gleichen Vorjahresmonat. Gründe für die Preisanstiege waren im Juli weitere Heizöl- und Sprit-Verteuerungen. Heizöl kostete um 25,9 Prozent mehr, Superbenzin um 12,3 und Diesel um 16,7 Prozent. Auch feste Brennstoffe kosteten mehr als voriges Jahr. Für Brennholz mussten 10 Prozent mehr hingeblättert werden, Holzpellets verteuerten sich um 3,3 Prozent. Gas, Strom waren im Jahresabstand billiger, auf Monatssicht aber teurer.

Vor allem beim Strom (Gas habe sich zunehmend vom Öl entkoppelt) erwartet der Vorstand des Energie-Regulators E-Control, Andreas Eigenbauer, Preissteigerungen. „Alle Komponenten zeigen nach oben.“ Eigenbauer verweist auf deutlich gestiegene Großhandelspreise, das Aus der deutsch-österreichischen Stromzone (das werde den Energieanteil laut einer Schätzung um 7 Prozent verteuern) und die nötigen massiven Investitionen in erneuerbare Energie und die Netze.

In Ostösterreich haben einige Energieversorger bereits verschiedene Preiserhöhungen angekündigt, der Verbund erwartet 2019 auch steigende Haushaltstarife. Tirol ist laut Eigenbauer ein „glückliches Bundesland“, weil es zwar auch hier eine breite Palette an Bietern gebe, der Landesversorger Tiwag bzw. Tigas aber sehr günstige Preise anbiete, so Eigenbauer. Die Wechselrate sei wegen der geringeren Ersparnis-Möglichkeit (etliche Anbieter mussten wegen der höheren Einkaufspreise Rabatte kürzen) daher weit kleiner als in den östlichen Bundesländern.

Der heurige heiße und sehr trockene Sommer war laut Eigenbauer ein Alarmsignal: Es habe deutlich weniger Wasserkraft-Strom und kaum Windenergie gegeben, Österreich sei auch im Sommer zum Importland (und da stamme vieles aus fossilen Quellen und Kernkraft) geworden. Um die Energieziele zu erreichen und die Gefahr von Blackouts zu bannen, brauche es massive Investitionen in Kraftwerke und Netze. Es gehe darum, die Kapazitäten vor allem für erneuerbare Energie deutlich auszubauen, aber auch Fehlinvestitionen etwa bei Biomasse zu vermeiden. Es brauche 85 Prozent Versorgung aus erneuerbarer Energie und 15 Prozent aus Brennstoffen (dazu könne aber auch Wasserstoff zählen). „Klar ist aber, die neue Energiewirtschaft wird es nicht zum alten Preis geben.“ Bei Öl habe man eine Vorratsspeicherung für drei Monate, bei Gas für einen Monat. Eigenbauer schlägt für den Strom eine vorgeschriebene verpflichtende Reserve von 21 Tagen vor. „Das ist unerlässlich.“

Sehr skeptisch ist der E-Control-Vorstand gegenüber der jüngst beim Gipfeltreffen von US-Präsident Trump mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker zur Abwehr von Strafzöllen gegen EU-Autos avisierten stärkeren Abnahme von US-Flüssiggas in Europa. Dieses sei um 20 Prozent teurer als die Marktpreise. Das werde so nicht funktionieren.

-