Letztes Update am Di, 02.10.2018 13:22

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Immobilienmarkt

Immo-Boom: „Österreich ist das bessere Deutschland“

Für internationale Investoren ist der heimische Immobilienmarkt ein außerordentlich attraktiver. Laut dem Wiener Immo-Consulter EHL ist kein Ende des Booms in Sicht.

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Wien – Der österreichische Immobilienmarkt ist für Investoren preislich gesehen attraktiver als der deutsche und kann obendrein mit besonderen, international geschätzten „Qualitätseigenschaften“ punkten. Österreichs Immo-Markt sei bei internationalen Investoren hoch im Kurs, auch das heimische Know-how genieße international hohes Ansehen, sagte der Chef des Wiener Immo-Consulters EHL, Michael Ehlmaier, am Dienstag.

Investoren könnten sich im gleichem Risikoprofil in Österreich günstiger eindecken, da unsere Preisentwicklung jener in Deutschland um sechs bis zwölf Monate hinterherhinke: „Die Investoren schielen erst nach Deutschland, dort sehen sie aber einen Mangel an Produkten und stark gestiegene Preise.“ „Österreich ist aktuell das bessere Deutschland“, bringt es EHL auf den Punkt.

Oft wird vor der Baugenehmigung gekauft

Wien stelle vor allem für überwiegend stabilitätsorientierte Langfrist-Investoren einen Magnet dar, so Pöltl. In Deutschland bringe ein vergleichbares Objekt um 25 bis 50 Basispunkte weniger Rendite, dadurch würden bei uns – weil sich das Interesse auch auf die Landeshauptstädte erstrecke – zum Teil lokale Investoren verdrängt. Das wertet der EHL-Experte aber als eine „gute Entwicklung“, denn es sei egal, ob ein deutscher oder österreichischer Versicherungskonzern hier investiere. Seit einem Jahr gebe es starke Nachfrage seitens deutscher institutioneller Investoren, bis hin zu Vorsorgewerken (Pensionskassen etc.), die auf der Suche nach Wohnimmobilien seien. Denn die Angebote in Österreich seien weniger riskant und weniger managementintensiv. Sowohl die demografische Entwicklung als auch die Urbanisierung würden den Markt fürs „Wohnen“ treiben, der Sektor habe sich zu „Investor‘s Darling“ gemausert, „da geht viel Geld hin, und da ist die Pipeline gut mit Produkten gefüllt“. Das gelte auch für Vorsorgewohnungen und -häuser. Gekauft werde sehr früh, vielfach „vom Plan weg“ und teils noch ehe eine Baugenehmigung vorliegt.

Kein Ende des Booms in Sicht

Im ersten Halbjahr lag das Immo-Investitionsvolumen in Österreich laut Pöltl mit 2,170 Mrd. Euro ungefähr auf Höhe des Vorjahresvergleichs. „Im Gesamtjahr werden wir uns schwertun, wieder die 4,7 Mrd. Euro des Vorjahres zu erreichen“, dennoch sei das Volumen aber auch 2018 „außerordentlich hoch“. Im gewerblichen Bereich und beim Wohnen gebe es starkes deutsches Interesse, gefolgt von Interessenten aus Asien, etwa aus Korea, China oder auch aus Australien. Koreaner würden bevorzugt Volumina ab 100 Mio. Euro erwerben. Insgesamt seien außereuropäische Investoren aber „nicht so aktiv wie wir uns das wünschen“, meinte Pöltl.

Auch Frankreich trete als großes europäisches Land stark als Investor auf. Großbritannien und die USA seien jedoch unterrepräsentiert. Die Briten würden vorwiegend Zyklen nutzen wollen, die es in Wien so aber nicht gebe – und die Amerikaner würden sich stärker als opportunistische Investoren sehen, die dabei lokale Partner bräuchten. Für ein Ende des boomenden Investoren-Interesses an Austro-Immobilien sehe man „keine Indizien“. (APA)