Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 08.10.2018


Bezirk Imst

„Urkorn Oberland“ will alte Kulturpflanzen bewahren

Die Tiroler Initiative hat nun auch im Bezirk Imst einen Ableger gebildet. Das erste Treffen gibt es am Dienstag um 19 Uhr im Gasthof Neuner.

© DornMarco und Christine Schernthanner haben heuer alte Sorten wie Kohlrüben, Haferwurz, Schabzeigerklee, Erdmandl und Zuckerwurzl geerntet.Foto: Dorn



Von Agnes Dorn

Stams – Man wolle keinen Verein gründen, vielmehr gehe es darum, dass Gleichgesinnte sich regelmäßig treffen können, um Erfahrungen auszutauschen, Vorträge zu besuchen und gemeinsam an Exkursionen teilzunehmen, fasst Marco Schernthanner, der Initiator von Urkorn Tirol – Oberland, die Grundideen zusammen. Denn auch im Bezirk Imst gibt es einige Bauern und Gärtner, die seit Generationen das alte Saatgut ihrer Vorfahren verwenden, doch einen regelmäßigen Austausch dieser Bewahrer des lebendigen kulturellen Erbes wie im Unterland durch Urkorn Tirol hat es in dieser Form noch nicht gegeben. Wer den zeitlichen Aufwand der Anfahrt in Kauf nahm, konnte bisher nur an den monatlichen Stammtischen von Urkorn Tirol in Schwaz und Umgebung teilnehmen.

Das wollen Christine und Marco Schernthanner aus Stams nun ändern. Sie laden daher am morgigen Dienstag um 19 Uhr alle an der Erhaltung alter Kulturpflanzen Interessierten zu einem ersten Treffen in den Gasthof Neuner in Imst-Brennbichl ein. Dort wird Andreas Kreutner die Initiative Urkorn Tirol vorstellen, deren Ziel es ist, die alten regionalen Kulturpflanzen und deren Saatgut zu erhalten sowie den Landwirten und Gärtnern eine geeignete Plattform zu bieten, wo das Wissen über Anbau, Ernte und Lagerung sowie Handwerk, Fertigkeiten und Bräuche bewahrt und weitergegeben wird.

Schernthanner, der ebenfalls gerade eine Weiterbildung über Gemüseraritäten und Sortenspezialitäten am Landwirtschaftlichen Fortbildungsinstitut besucht, hofft darauf, dass sich auch im Oberland regelmäßige Treffen durchsetzen werden, die zur regionalen Vernetzung der Saatgutbewahrer beitragen werden. Denn nicht jeder, der einen Gemüsegarten daheim hat, kann sich von jeder Sorte das Saatgut selbst ziehen, wie Schernthanner aus eigener Erfahrung weiß: „Von Karotten braucht man zum Beispiel mindestens 150 Stück und zwei Jahre Zeit, um Saatgut zu gewinnen“, erklärt er, warum es sinnvoll ist, Saatgut zu tauschen. So planen die beiden Gärtner aus Leidenschaft auch im Bezirk Imst Vorträge über spezielle Themen (wie den Anbau und die Lagerung von Wintergemüse), gemeinsame Betriebsbesichtigungen und Exkursionen zu organisieren sowie im Frühjahr einen Tauschmarkt für Samen und Pflanzen abzuhalten, auf dem der jeweilige Überschuss aus eigener Zucht angeboten werden kann.




Kommentieren


Schlagworte