Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.10.2018


Markt

Alpbacher Prognose: 2019 steigen die Zinsen wieder

Bankexperten sehen den Euro gegenüber dem Dollar an Wert gewinnen.

© iStockphotoLaut Prognose von Experten österreichischer Banken werden die Zinsen im kommenden Jahr wieder ansteigen. Foto: iStock



Alpbach – Zins- und Währungsexperten österreichischer Großbanken erwarten bis zur Jahresmitte 2019 anziehende Zinsen sowohl im Euro- als auch US-Dollar-Raum. Die kurzfristigen Zinsen in der Eurozone sollten aber noch negativ bleiben. Der Euro sollte gegenüber dem US-Dollar an Wert gewinnen, der Ölpreis wird kaum verändert erwartet. Die Drei-Monats-Zinsen werden den Prognosen der Bank­ökonomen zufolge im Euroraum im Durchschnitt von aktuell minus 0,32 Prozent auf minus 0,10 Prozent steigen. Im zehnjährigen Laufzeitenbereich wird ein Zinsanstieg von derzeit 1,07 Prozent auf 1,31 Prozent prognostiziert.

Auch für den Dollarraum rechnen die Experten sowohl bei den kurz- als auch langfristigen Zinsen mit einem Anstieg. Die Drei-Monats-Zinsen sollten von aktuell 2,43 auf 3,13 Prozent deutlich und die Zehn-Jahres-Zinsen von aktuell 3,21 auf 3,31 Prozent nur marginal anziehen. Der Wert des Euro gegenüber dem US-Dollar sollte bis 30. Juni 2019 von aktuell 1,16 auf über 1,21 US-Dollar steigen. Zum japanischen Yen sollte der Euro mit 130,00 relativ stabil bleiben und zum Schweizer Franken von aktuell 1,15 auf 1,17 leicht steigen. Der Preis für Rohöl sollte sich bis zur Jahresmitte 2019 nur marginal verringern. Die Ökonomen rechnen im Schnitt mit einem Rückgang des Preises für ein Barrel der Sorte Brent von derzeit 81,27 auf 79,33 US-Dollar.

Die Zins- und Währungsprognose wurde gestern anlässlich des 32. Alpbacher Finanzsymposiums unter der Leitung von Christian Helmenstein (Industriellenvereinigung) präsentiert. In die Prognosewerte flossen die Schätzungen von Peter Brezinschek (Raiffeisen Bank), Gerhard Massenbauer (Censeo Consulting GmbH), Antje Praefcke (Commerzbank AG) und Michael Rottmann (UniCredit Group) ein.

EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger sieht auf die Weltwirtschaft düstere Zeiten zukommen. „Kamen wir noch im Spätsommer aus dem Urlaub und haben geglaubt, die Konjunktur brummt, die Zahl der Arbeitsplätze steigt, die Börse bleibt oben, wir hätten Stabilität – sehen wir jetzt, dass die Party zu Ende geht“, sagte der deutsche CDU-Politiker am Freitag bei einer Konferenz zum EU-Haushalt in Brüssel. Es bestehe das Risiko, in die nächste Krise zu geraten. „Die besten, die leichteren Jahre liegen hinter uns. Richten wir uns auf etwas frostige Zeiten im Herbst 2018 ein.“ Als Gründe nannte er die politisch und wirtschaftlich unsichere Lage in Ländern wie der Türkei, Brasilien, Argentinien und Venezuela. (APA)