Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.11.2018


Österreich

Metaller: „Werden Kampfmaßnahmen in Kauf nehmen“

Gewerkschaften drohen mit Streik, falls es zu keiner KV-Einigung bei den Metallern kommt. Industrie zweifelt an Streikbereitschaft der Arbeitnehmer.

© E+Mit Streikdrohungen der Gewerkschaft geht die Metaller-Lohnrunde in die heiße Phase. Auch in Tirol gibt es zahlreiche Betriebsversammlungen.Foto: iStock



Wien, Innsbruck – In dieser Woche gehen die Verhandlungen um einen neuen Kollektivvertrag für die Metall-Industrie in die heiße Phase. Am Donnerstag findet die fünfte Verhandlungsrunde statt. Vorerst finden aber noch Hunderte Betriebsversammlungen statt. Kommt es am Donnerstag zu keiner Einigung, können die Betriebsversammlungen – die nur unterbrochen werden – in (Warn-)Streiks übergehen, bekräftigten die Arbeitnehmervertreter am Montag.

Sie pochen weiter massiv auf Kompensationen fürs neue, umstrittene Arbeitszeitgesetz, was die Arbeitgeber ablehnen. Zudem fordern sie eine Lohn- bzw. Gehaltssteigerung von 5 Prozent oder mindestens 100 Euro mehr. Auch das lehnen die Arbeitgeber ab. Sie bieten gut zwei Prozent Inflationsausgleich plus einen Anteil an der Produktivitätssteigerung, die sie mit 0,7 Prozent taxieren.

Insgesamt finden mehr als 300 Betriebsversammlungen statt, etwa bei BMW, Magna, MAN, Rosenbauer oder Bosch. In Tirol werden die Mitarbeiter unter anderem der Industrieunternehmen Plansee, GE Jenbacher, Tyrolit und Thöni informiert.

„Wir sind jetzt mit unserer Geduld relativ am Ende. Wenn wir am 8. (November, Anm.) kein Ergebnis zusammenbekommen, dann werden ab 9. die ersten Kampfmaßnahmen greifen, kann auch Streik heißen“, sagte PRO-GE-Chef Rainer Wimmer (SPÖ) im Ö1-Morgenjournal. Denkbar seien demnach Warnstreiks.

Die Metaller seien motiviert, würden „den Schwanz nicht einziehen und ganz sicher in Maßnahmen gehen“, gebe es am 8. November kein Ergebnis, sagte Wimmer.

Die Streikbereitschaft zweifelt der Sprecher der Metalltechnischen Industrie, Christian Knill, an: „Die Gewerkschaft wird alleine nicht viel ausrichten können. Entscheidend ist, wie stark sie Mitarbeiter mobilisieren kann. Da gehen wir sehr stark davon aus, dass die Vernunft siegen wird – dass die Mitarbeiter wissen, dass so ein Paket, wie es die Gewerkschaft fordert, einfach nicht machbar ist“, so Knill im Radiobeitrag in Richtung der Belegschaft.

Das „Beschädigungspaket“ der Gewerkschaft sei schädlich für den Standort, so Knill. Für einen Abschluss am Donnerstag müsse sich die Gewerkschaft bewegen – sonst werde man eben die Kampfmaßnahmen in Kauf nehmen. „Das wird dann unangenehm, aber es ist noch unangenehmer, wenn wir Betriebe mit Belastungen, wie sie die Gewerkschaft fordert, überfordern.“

Dass es an der Streikbreitschaft mangle, bezweifelt wiederum Tirols Mit-Verhandler, PRO-GE-Landessekretär Robert Koschin: „Wir haben andere Erfahrungen.“ Koschin rechnet mit einer langen und zähen Verhandlungsrunde am Donnerstag, die bis in den Freitag hineinreichen könnte. (ecke, APA)