Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 01.11.2018


Markt

Rekord bei Privatinsolvenzen, weniger Firmenpleiten in Tirol

Nach dem Tiefststand 2017 führte das neue Insolvenzrecht heuer zum massiven Anstieg der Privatpleiten. 10.000 Menschen von Firmenpleiten betroffen.

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Wien, Innsbruck – Heuer ist die Zahl der Pleiten in Österreich deutlich gestiegen. Vor allem bei den Privatinsolvenzen gab es einen massiven Anstieg im Vergleich zum Vorjahr.

„Während im vergangenen Jahr die Privatinsolvenzen auf den niedrigsten Stand seit 2006 zurückgegangen waren, klettern diese nun auf ein Allzeithoch“, heißt es in einer Aussendung des Kreditschützers Creditreform. Die Zahlen der Creditreform Privatinsolvenzstatistik für das 1. bis 3. Quartal 2018 zeigen einen weiteren massiven Anstieg bei den Insolvenzen von Privatpersonen um knapp 55 Prozent auf ca. 8800 Verfahren. Die Anzahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ist hierbei um fast 64 Prozent auf mehr als 7800 Verfahren gestiegen, die mangels Vermögen abgewiesenen Insolvenzanträge haben sich auf 926 Fälle erhöht. Am stärksten war der Anstieg im Burgenland mit plus 115,6 Prozent, gefolgt von Vorarlberg mit einer Zunahme von 99,6 Prozent und der Steiermark mit 91,2 Prozent. Tirol befindet sich mit 683 Privatinsolvenzen und einem Anstieg um 58,1 Prozent im Mittelfeld.

Hauptgrund für den Anstieg ist laut Creditreform die Gesetzesnovelle, welche eine schnellere und erleichterte Entschuldung ermöglicht. „Da nun auch viele ehemalige Selbstständige diese Möglichkeit in Anspruch nehmen, ist die Durchschnittsverschuldung auf rund 100.000 Euro angestiegen“, erklärt Creditreform, die heuer mit mehr als 10.000 Privatinsolvenzen bis zum Jahresende rechnet.

Wesentlich geringer ist der Anstieg der Firmenpleiten um 0,6 Prozent auf 3949 in den ersten drei Quartalen. Die Zahl der eröffneten Verfahren ist um 0,9 % auf 2347 gestiegen. In 1602 Fällen (+0,3 %) wurden die Insolvenzanträge mangels kostendeckenden Vermögens abgewiesen. Die Höhe der Insolvenzverbindlichkeiten beläuft sich auf rund 1 Mrd. Eur­o (+29 %). Rund 10.000 Arbeitsplätze und 47.000 Gläubiger waren betroffen. Die Insolvenzursachen liegen hauptsächlich in Managementfehlern sowie im Wettbewerbsdruck, der sich auf sinkende Preise und Margen niederschlägt, schreibt Creditreform.

Entgegen dem Österreichtrend verzeichnete Tirol einen Rückgang um 11,5 Prozent auf 201 Insolvenzen im Vergleich zu 227 Pleiten im selben Zeitraum des Vorjahres.

Erfreulich sei die Entwicklung in den für die Konjunktur- und Arbeitsmarktentwicklung wichtigen Branchen „Sachgütererzeugung“ (-9,7 %), „Bauwesen“ (-6,9 %) sowie im Tourismus (-7,2 %).

Größte Firmenpleite nach Verbindlichkeiten war laut Creditreform jene der Billigfluglinie Niki mit Forderungen von 153 Mio. Euro, am meisten Mitarbeiter waren mit 340 von der Forstinger-Insolvenz betroffen. (TT, ecke)