Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 22.11.2018


Österreich

Flut an Rabattschlachten fordert die Händler

„Black Friday“ und „Cyber Monday“ knabbern am Weihnachtsgeschäft. Die Schnäppchenjagd bringt österreichweit mehr als 100 Mio. Euro.

null

© Thomas Boehm / TT



Von Cornelia Ritzer

Wien, Innsbruck – Ob Möbelhändler, Fitnesscenter oder Lebensmittel-Discounter – sie alle locken mit Rabatten an einem Tag, der bis vor wenigen Jahren noch ein normaler Freitag war. „Black Friday“ wird in den USA der Tag nach dem Thanksgiving-Fest genannt. Ein Schnäppchen-Feiertag für Konsumenten nach dem eigentlichen Feiertag. Diese Entwicklung hat es nun endgültig nach Österreich geschafft. Und immer mehr Handelsunternehmen machen mit. Für den „Black Friday“ und den darauf folgenden „Cyber Monday“ rechnet der österreichische Handel mit einem Umsatz von mehr als 100 Mio. Euro. Heuer planen rund 1,5 Millionen Österreicher (das sind rund 20 Prozent), zumindest an einem der beiden Tage einzukaufen.

Der „Trend zum Rabattismus“ wird von der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) bereits länger beobachtet, sagt Iris Thal­bauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel. Für Schnäppchenjäger gibt es neben den regulären Sales etwa den „Singles Day“ am 11. November, den regelmäßig stattfindenden „Woman Day“ oder eben den „Black Friday“. Die außertourlichen Schlussverkäufe kommen gut an. Thalbauer weiß: „Die Konsumenten warten sogar drauf.“

Doch wie soll der Handel damit umgehen? Laut Wirtschaftskammer ist die Herausforderung, aus den Rabattjägern Stammkunden zu machen, analysiert Roman Seeliger, Vize-Geschäftsführer der Bundessparte Handel in der WKÖ, die Situation. „Die Rabatt-Tage dürfen nämlich kein Strohfeuer bleiben.“ Das schafft man im stationären Handel, indem man neben guten Deals auch auf Marketing setzt und etwa kleine Snacks oder ein Glas Sekt anbietet. Laut Thalbauer kann der „Black Friday“ ein „super Geschäft sein, wenn man neue Kunden gewinnt und an sich bindet“.

Trotzdem sind die Shops dazu aufgerufen, bei der Positionierung die betriebswirtschaftlichen Berechnungen nicht aus den Augen zu verlieren. Insbesondere kleine Händler könnten ertragsmäßig unter Druck kommen, wenn sie sich gezwungen sehen, bei Aktionen mitzumachen. So droht laut Seeliger die Gefahr einer „negativen Preisspirale, wenn Umsätze wachsen und die Erträge sinken“.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Klar sei schließlich, dass die neuen Aktionstage „am Weihnachtsgeschäft knabbern“, bekräftigt Bundesspartengeschäftsführerin Thalbauer. Die Umsätze würden dadurch nicht mehr, nur anders verteilt – immerhin bleibe die Kaufkraft ja gleich. Trotzdem: Die stärksten Einkaufstage sind quer durch Österreich immer noch die Samstage in der Adventzeit. Thalbauer: „Wir hoffen, dass das auch heuer so sein wird.“