Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 27.12.2018


Markt

Handel erwartet einen Ansturm bis Silvester

Gutscheine, Ausverkauf und Umtausch: Nach den Weihnachtsfeiertagen erwarten Einkaufszentren und Innenstädte viele Besucher.

Das Weihnachtsgeschäft dauert mindestens noch bis Silvester an, jetzt startet der Schlussverkauf.

© Thomas Boehm / TTDas Weihnachtsgeschäft dauert mindestens noch bis Silvester an, jetzt startet der Schlussverkauf.



Innsbruck – „Das Weihnachtsgeschäft endet nicht mit Weihnachten, sondern mit Silvester“, sagt der Obmann der Sparte Handel der Wirtschaftskammer (WK), Alois Schellhorn. Für den heutigen ersten Werk- und damit Einkaufstag nach den Weihnachtsfeiertagen wird daher ein Ansturm auf Einkaufszentren und Innenstadtläden erwartet. Denn sehr oft werden gleich nach den Feiertagen Geschenke umgetauscht oder Geschenkgutscheine eingelöst. Gerade Gutscheine sind ein beliebtes Geschenk. Immerhin zehn Prozent des Weihnachtsgeschäfts seien Gutscheine, erklärt Schellhorn. Eigentlich vergleichsweise wenig, denn laut einer Umfrage von WK und E-Commerce-Gütezeichen wünscht sich immerhin fast ein Viertel der Befragten (24 Prozent) Gutscheine statt eines Geschenks. Nicht alle Gutscheine werden aber gleich nach den Feiertagen eingelöst – die meisten im Jänner und Februar, der Großteil werde immerhin im ersten Jahresviertel eingelöst, sagt Schellhorn.

Doch auch das Einlösen von Gutscheinen hat seine Tücken. Die Arbeiterkammer (AK) empfiehlt, unbedingt auf Fristen zu achten, obwohl diese eigentlich – ohne besonderen Grund – nicht erlaubt sind. Denn der Oberste Ge­richts­hof hat bereits bestätigt: Gutscheine sind generell 30 Jahre lang gültig. Eine Ver­kürz­­ung ist allerdings trotzdem möglich – eben mit einem triftigen Rechtfertigungsgrund des Unternehmers. Anlass für das OGH-Urteil war ein Thermengutschein, der nach zwei Jahren verfallen war.

Nach Ablauf einer unzulässigen Befristung können Gut­scheine also nun nicht mehr für wertlos erklärt werden. Der Gutschein muss laut AK ver­längert oder der Kaufpreis zurückerstattet werden. Ratsam ist es aber laut Experten, Gut­scheine relativ zeitnah einzulösen. Denn diese können auch ihren Wert verlieren, etwa wenn das Unternehmen pleitegeht. Und bei einer Konkursforderung lohne es sich oft nicht, den Anspruch an­ge­sichts geringer Quoten und Gerichtskosten anzumelden.

Nicht nur mit Gutscheinen, auch beim Umtauschen kann es Probleme geben. Denn: „Das Umtauschrecht ist nicht gesetzlich geregelt“, sagen die AK-Konsumentenschützer. Viele Händler räumen aber freiwillig einen Umtausch ein. Dies muss allerdings vor­ge­druckt auf der Rechnung stehen. Falls nicht vorgedruckt, muss ein möglicher Umtausch darauf vermerkt sein. Die Rechnung muss also unbedingt beim Umtausch vorgewiesen werden. Alois Schellhorn rät Handelsunternehmern zu Toleranz: „Umtausch ist immer ein Thema, es kann ja etwas nicht passen. Wir sagen unseren Unternehmern immer: Seid großzügig. Und das funktioniert im stationären Handel perfekt.“ Beim Umtausch kann dann üblicherweise etwas anderes aus­gesucht werden. Geld gibt es aber meist nicht zurück. Wird nichts Passendes gefunden, erhält man im Geschäft einen Gutschein. Ebenfalls aufpassen heißt es bei Ausverkaufsstücken: Reduzierte Ware wird in der Regel nicht umgetauscht – außer, es wird vereinbart.

Gänzlich unkompliziert ist es nur, mit Geldgeschenken einkaufen zu gehen. Unter den heimischen Weihnachtsbäumen landeten heuer immerhin 963 Mio. Euro. Drei von vier Euro davon werden gleich wieder ausgegeben, rund ein Viertel gespart, so das Ergebnis einer Umfrage des Tarifvergleichsportals durchblicker.at. Jeder Zweite (52 Prozent) bekommt laut Umfrage von seinen Liebsten Geldgeschenke in Höhe von durchschnittlich 256 Euro – gefolgt von Wertgutscheinen (43 Prozent), Gutscheinen für Aktivitäten oder Reisen (42 Prozent) sowie Büchern, Filmen oder Spielen (42 Prozent). 28 Prozent des geschenkten Geldes wird gespart. Wird es ausgegeben, dann primär für Freizeitaktivitäten, Kleidung und Schmuck. (ver)