Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.01.2019


Markt

Notenbank warnt vor „Gold-Schnäppchen“

WK-Vertreter und die Nationalbank warnen vor überteuerten Goldmünzen einer Wiener Firma.

Veränderte Münzen verlieren ihren Nennwert.

© APAVeränderte Münzen verlieren ihren Nennwert.



Wien, Innsbruck – Gold- oder Silbermünzen sind ein beliebtes Anlageprodukt. Nichtsdestotrotz ist – besonderes im Internet – Vorsicht geboten. So warnt die Wirtschaftskammer Tirol derzeit vor einem Angebot der Firma IMM Münz-Institut Wien, die bis vor Kurzem ihre „Offizielle Barren-Münze Stephansdom“ zum Preis von 39,90 Euro bewarb. Bei genauerer Betrachtung erwies sich das „Schnäppchen“ als nicht besonders günstig. „Der Gegenwert von 0,5 g Gold ist aktuell kaum die Hälfte wert, und auch der Geldwert (5 Salomonen-Dollar oder 0,53 Euro) ist nicht oder nur schwer einlösbar“, betont WK-Fachgruppen-Vertreter Michael Posselt. Die „Münze“ gilt nämlich nur im Ausgabeland als Zahlungsmittel, und das sind in diesem Fall die Salomon-Inseln.

Auffällig ist auch, dass bereits 2015 und 2017 diese „limitierten“ Barren-Münzen verkauft wurden, jeweils mit unterschiedlichem Gewicht und Preis. Aktuell bietet die Firma den „Stephansdom“ als Einzelangebot um 119,90 Euro an bzw. als „Kollektion“ um 49,90 Euro. Letztere beinhaltet laut Homepage die Zusendung von weiteren Ausgaben der Kollektion „Wahrzeichen der Welt“ alle vier Wochen.

Zur Vorsicht bei solchen Angeboten rät auch die Oesterreichische Nationalbank (OeNB). „Wir haben tagtäglich beim ,Schoeller Münzhandel‘ Leute, die glauben, etwas Wertvolles erworben zu haben, und dann enttäuscht sind, wenn sie für diese Produkte gar nichts erhalten“, betont OeNB-West-Chef Armin Schneider. Um diesen „Sonderpreis“ erhalte man Standardbarren mit 1 g Gold von der Münze Österreich, ohne weitere Bezugsverpflichtungen und jederzeit überall einlösbar. Besondere Vorsicht sei bei Medaillen und Münzen geboten, so Schneider: „Viele der angebotenen Produkte verlieren im Wiederverkauf sehr stark an Wert, weil sie maximal den Schmelzwert des Metalls einbringen, der meist nur bei einem Bruchteil des Ausgabepreises liegt. Zudem werden oft „veredelte“ Münzen angeboten, die nachträglich vergoldet wurden. Werden aber von der Münze Österreich geprägte Standardmünzen verändert, sind sie kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr und verlieren damit ihren vollen Wert. (hu)