Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.01.2019


Osttirol

Ein Gewerbegebiet für 15 Gemeinden in Osttirol geplant

Der Planungsverband Lienzer Talboden will ein gemeinsames Gewerbegebiet für seine 15 Mitglieder einrichten. Es wäre das erste seiner Art in Tirol. Die Einnahmen werden nach einem Schlüssel aufgeteilt.

Blick vom Zettersfeld auf den Lienzer Talboden. Die 15 Gemeinden planen ein Gewerbegebiet.

© OblasserBlick vom Zettersfeld auf den Lienzer Talboden. Die 15 Gemeinden planen ein Gewerbegebiet.



Von Catharina Oblasser

Lienz – Einer für alle, alle für einen: So lässt sich das Projekt beschreiben, das die 15 Gemeinden des Planungsverbandes Lienzer Talboden sich vorgenommen haben. Ziel ist ein gemeinsames Gewerbegebiet. Firmen, die sich in diesem Großraum niederlassen wollen, hätten dann einen Ansprechpartner, statt mit vielen verschiedenen Gemeinden Verhandlungen führen zu müssen. Der Standort könnte passgenau für die ansiedlungswillige Firma ausgewählt werden.

„Der Sinn ist, dass die einzelnen Gemeinden nicht mehr untereinander wetteifern, wer den Betrieb denn nun bekommt“, sagt Josef Mair, Bürgermeister von Dölsach und Obmann des Planungsverbandes.

Das Thema gemeinsames Gewerbegebiet ist auch schon im Lienzer Gemeinderat zur Sprache gekommen. Die ÖVP-Opposition hatte beklagt, dass die Hightech-Firma Micado von Lienz nach Oberlienz abgewandert sei, der ÖAMTC wird seinen neuen Stützpunkt nicht mehr in Lienz, sondern in Nußdorf-Debant bauen. Angesichts dieser Frage werden die Vorteile der Gemeinsamkeit deutlich. Die Stadt Lienz beispielsweise hat nicht mehr viele große Freiflächen anzubieten. Im Umland gibt es diese aber sehr wohl noch. Und ein gemeinsames Vorgehen gegenüber interessierten Unternehmen brächte jede Firma an den geeignetsten Standort.

Natürlich muss jede der 15 Gemeinden von diesem Konzept profitieren, auch wenn sie selbst nicht Standortgemeinde einer neuen Firma wird. „Die anfallende Kommunalsteuer wird nach einem Schlüssel aufgeteilt“, erklärt Mair. Wie genau der Schlüssel aussehen soll, ist noch nicht klar. Auch die detaillierte Erhebung von sämtlichen verfügbaren Gewerbeflächen in den 15 Gemeinden ist noch nicht abgeschlossen, sagt der Obmann. Zusätzlich müsse jede Kommune im Gemeinderat „Ja“ zur Teilnahme sagen, so Mair.

Geplant sind vier Zonen innerhalb des Planungsverbandes, die unterschiedliche Bedürfnisse der Firmen erfüllen. So könnte entlang der Drautalbundesstraße Platz für Betriebe mit viel Transportaufkommen geschaffen werden. Wer mit vielen schweren Gütern zu tun hat, braucht eine Anbindung an die Schiene. Hightech-Unternehmen wiederum könnten in unmittelbarer Nähe des neuen Technikcampus in Lienz ihren Platz finden. Die genaue Situierung dieser vier Zonen ist noch geheim, um Grundstücksspekulationen zu verhindern.

Für die Umsetzung des gemeinsamen Gewerbegebietes am Lienzer Talboden braucht es Geld. Denn die Grundstücke der vier Zonen müssen teils noch erschlossen werden. Beim Land finden Kooperationen von Gemeinden grundsätzlich ein offenes Ohr. Für den zuständigen Landesrat Johannes Tratter sind gemeindeübergreifende Vorhaben wichtig.

„Es gibt in Tirol bereits zahlreiche gemeindeübergreifende Gewerbegebiete, allerdings nicht in diesem Umfang“, sagt der Landesrat. „Dass ein ganzer Planungsverband übereinkommt, ein gemeinsames Gewerbegebiet zu planen und umzusetzen, ist bislang noch nicht vorgekommen.“ Insofern könne sich das Vorhaben des Planungsverbandes zu einer richtungsweisenden Initiative auch für andere Regionen entwickeln, meint Tratter.

LR Johannes Tratter.
LR Johannes Tratter.
- Land Tirol/Berger