Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 11.02.2019


Bahnverkehr

Achtung, Verspätung! Diese Rechte haben Zugpassagiere

Bei Verspätungen oder Ausfällen im Zugverkehr machen Reisende ihre Rechte weniger oft geltend als bei Flügen. Die Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte klärt auf.

Fahrt ins Ungewisse: Wenn gar nichts mehr geht, weil etwa Lawinen die Bahnstrecken bedrohen, stehen den Bahnreisenden Entschädigungen zu.

© MuehlangerFahrt ins Ungewisse: Wenn gar nichts mehr geht, weil etwa Lawinen die Bahnstrecken bedrohen, stehen den Bahnreisenden Entschädigungen zu.



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Endlich wieder ein Winter wie früher, als es noch richtig viel Schnee gab! Nach etlichen aperen Wintermonaten in den vergangenen Jahren ruft diese Saison in Zeiten des Klimawandels bei vielen Erinnerungen an „damals“ wach. Wintersportbegeisterte jubeln und auch die Touristiker – solange schöne Bilder um die Welt gehen und nicht Meldungen über Lawinen, eingeschneite Ferienorte und hängengebliebene Urlauber.

Doch in diesem Jahr hat sich schon mehrmals gezeigt, dass nichts mehr geht, wenn der Winter mit aller Macht zuschlägt. Auch das erste Februarwochenende gehörte dazu, als mit Sommerreifen ausgerüstete Lkw aus Richtung Süden kommend auf die Brennerautobahn einfuhren und zusätzlich Lawinen und starke Schneefälle Straßen und teils auch Bahngeleise blockierten. Züge konnten nicht weiterfahren, für alle, die über den Brenner Richtung Süden wollten, war in Steinach Schluss. Auch der Schienenersatzverkehr kam im Stau zum Erliegen. Laut ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair waren am Samstag, 3. Februar, die Züge ab 7.10 Uhr acht Stunden lang ausgefallen, der Nahverkehr am Sonntag ab 9 für fünf Stunden. „Wir haben Taxi- und Hotelgutscheine an die Reisenden verteilt. Für solche Fälle gibt es einen Vorrat, um den Gestrandeten zu helfen.“

Viele mussten warten oder wurden zurückgeschickt. Sie haben auch dann Anspruch auf Erstattung oder Entschädigung des Ticketpreises, wenn die Probleme auf außergewöhnliche Zustände wie schwere Unwetter oder eben Schneefälle zurückzuführen sind, informiert die Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte (apf). Sie klärt Reisende über ihre Rechte im Bahnverkehr auf, im Streitfall unterstützt sie Betroffene durch ein Schlichtungsverfahren.

Die Rechte beginnen bereits bei vorhersehbaren Verspätungen: Entsprechend den Bestimmungen der nationalen Fahrgastrechte muss das Zugunternehmen über Ausfälle oder eine Fahrplanänderung informieren, sofern die Kontaktdaten des Reisenden und die geplante Bahnfahrt bekannt sind.

Die ÖBB verständigen ihre Passagiere bereits per E-Mail über Verspätungen, sofern ein zuggebundenes Ticket vorliegt und die E-Mail-Adresse bekannt ist. Aber auch der Fahrgast ist verpflichtet, sich rechtzeitig über allfällige Störungen zu informieren. Wurde er vor Kauf der Fahrkarte über die Verspätung informiert, gibt es keine Entschädigung.

Auch der so genannte Pünktlichkeitsgrad spielt eine Rolle: So erhalten Besitzer von Jahreskarten eine Entschädigung von zehn Prozent, wenn der Pünktlichkeitsgrad im Regionalverkehr nicht erreicht wird. Er muss mindestens 95 Prozent pro Monat betragen. Was das betrifft, stellt die Agentur dem österreichischen Bahnverkehr im EU-Vergleich ein gutes Zeugnis aus: Der Pünktlichkeitsgrad sei „relativ hoch“. Als pünktlich gelten alle Züge, die maximal genau 5 Minuten und 29 Sekunden verspätet sind.

Auch ihren Informationsverpflichtungen kommen die Unternehmen „im Großen und Ganzen ausreichend“ nach, 2017 gingen insgesamt 808 schriftliche Beschwerden ein. Zuletzt wurden jährlich rund 500 bis 600 Verfahren gegen Bahnunternehmen und Verkehrsverbünde eröffnet.

Anders als bei Bahnreisenden mit ihren nationalen Fahrgastrechten gelten im Busverkehr nur EU-Regelungen mit teils weniger umfangreichen Verpflichtungen. So sind Informationen bei Annullierungen oder Verspätungen nur bei Busbahnhöfen verpflichtend.

Nach Einschätzung einer apf-Sprecherin dürften die Fahrgäste im Gegensatz zum Flugverkehr weniger über ihre Rechte Bescheid wissen: „Wir gehen davon aus, dass viele – bewusst oder unbewusst – ihre Ansprüche nicht geltend machen. Das hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass im Flugverkehr höhere Beträge bezahlt werden.“

Wer bekommt wann wie viel?

Ein Anrecht auf Entschädigung von 25 Prozent haben Fahrgäste grundsätzlich bei Verspätungen ab 60 Minuten, ab 120 Minuten sind es 55 Prozent des einfachen Fahrpreises des ÖBB-Tickets. Der Entschädigungswert muss aber über 4 Euro liegen. Für internationale Passangebote, die Österreichcard, Pauschalangebote sowie Zeitkarten gelten spezielle Bedingungen.

Verspätungsbestätigungen

Fahrgäste bekommen sie

Versäumt der Gast wegen einer Zugverspätung einen Flug oder Geschäftstermin, gilt das allgemeine Zivilrecht, in diesem Fall muss auch ein (Mit-)Verschulden des Unternehmens nachgewiesen werden.