Letztes Update am Do, 14.02.2019 13:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konjunktur

Deutsche Wirtschaft entgeht Rezession, Aussichten in EU verhalten

Ein starkes Comeback im laufenden ersten Quartal ist Experten zufolge keine ausgemachte Sache, auch wenn einige Experten ein Wachstum von gut einem halben Prozent für möglich halten.

Die jüngste Schwäche Deutschlands strahlte auf die Eurozone aus.

© iStockDie jüngste Schwäche Deutschlands strahlte auf die Eurozone aus.



Berlin – Die Schwäche der lange boomenden Industrie hat die deutsche Wirtschaft um ein Haar in die Rezession gestürzt. Handelskonflikte, Probleme der Autoindustrie mit dem neuen Standard zur Abgasmessung und die unter Niedrigwasser leidende Chemiebranche ließen das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal stagnieren.

Ein Rückgang hätte Europas größte Volkswirtschaft erstmals seit dem Jahreswechsel 2012/13 in eine Rezession gedrückt, hatte es doch schon im Sommerquartal ein Minus von 0,2 Prozent gegeben. Auch wenn die meisten Experten für das laufende erste Vierteljahr mit einer deutlichen Erholung rechnen, dürfte es 2019 insgesamt wegen vieler Risiken wie dem Brexit oder dem Handelsstreit mit den USA nur zu einem mageren Zuwachs reichen.

Deutschlands Schwäche strahlt auf Euroraum aus

„Die wahrscheinlichste Variante ist, dass es moderates Wachstum gibt“, sagte der Chef des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, der Nachrichtenagentur Reuters. „Die Prognosen von rund einem Prozent Wachstum für 2019 sind realistisch.“ Das wäre das kleinste Plus seit 2013.

Im Gesamtjahr 2018 fiel das Wachstum den Angaben vom Donnerstag zufolge wegen der Schwäche im Schlussquartal mit 1,4 Prozent etwas schwächer aus als zunächst mit 1,5 Prozent geschätzt.

Die jüngste Schwäche Deutschlands strahlte auf die Eurozone aus. Diese halbierte ihr Wachstum im vierten Quartal auf 0,2 Prozent. Die Stagnation in Deutschland trug dazu maßgeblich bei – aber auch Italien, dessen Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent schrumpfte. Die anderen beiden großen Euro-Länder Frankreich und Spanien schafften dagegen jeweils ein überdurchschnittliches Plus.

Eine rasche Abkehr der Europäischen Zentralbank von ihrer Nullzinspolitik wird durch die Flaute unwahrscheinlicher. „Eine Leitzinswende der EZB bleibt für 2019 möglich, die Felle schwimmen derzeit aber schneller davon“, sagte der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. (APA, Reuters)