Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 11.03.2019


E-Wirtschaft

Erneuerbare Energie: E-Wirtschaft setzt auf Wasser

Die E-Wirtschaft will den Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken.

© iStockDie E-Wirtschaft will den Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken.



Die heimische E-Wirtschaft warnt davor, sich für die Versorgungssicherheit beim 100-Prozent-Erneuerbare-Ziel für 2030 auf Strom­importe zu verlassen und den Ausbau der heimischen Kraftwerke sowie ein Back-up durch thermische Anlagen und Speicher zu vernachlässigen. Erfolgt die Versorgung bilanziell gesehen gänzlich erneuerbar, seien Reservekapazitäten bei Windstille oder Bewölkung umso wichtiger.„Wir müssen in den Ausbau der Pumpspeicherwerke gehen und brauchen eine Absicherung der thermischen Kraftwerke für die Netzstabilität", betonte der Präsident des E-Wirtschafts-Verbandes Oes­terreichs Energie, Leonhard Schitter, im APA-Interview. Wegen der hohen Volatilität der Erneuerbaren-Erzeugung mit überwiegend Windkraft und Photovoltaik müsse das Stromversorgungssystem so flexibel wie möglich gestaltet werden — Stichwort „Dunkelflaute", wenn also kein Wind weht und auch Solarenergie nicht genutzt werden kann.

Damit die Pumpspeicherwerke ihre wichtige Rolle spielen können, sollten sie aber von der jetzigen Doppelbelastung bei den Leitungsgebühren befreit werden, fordert Schitter. Eine neue Studie von AIT und TU Wien zeigt, dass es in der künftigen „Erneuerbaren-Stromwelt" wegen der Schwankungen von Bedarf, aber auch Eigenerzeugung ein erhebliches Maß an Über- oder Unterdeckung geben kann, nämlich im Ausmaß von rund 10 Gigawatt (GW).

Schon vor fast einem Jahr hat die E-Wirtschaft auf große temporär drohende „Lücken" ab dem Jahr 2030 hingewiesen, die sich auch daraus ergeben könnten, dass Altanlagen technisch bedingt nicht mehr weiter betrieben werden können. Diese drohende Unterdeckung müsse durch das Gesamtsystem ausgeglichen werden, betont Schitter. Deshalb sollte auch der thermische Anlagenbestand abgesichert und gehalten werden, das werde man aber nur über einen Vollkostenausgleich zusammenbringen, worüber dann jeweils mit dem Regulator zu verhandeln sei. Und: Entsprechende Verträge müssten länger als nur zwei, drei Jahre laufen. Aus dem Energieministerium von Elisabeth Köstinger (ÖVP) erhält die E-Wirtschaft Unterstützung für ihre ehrgeizigen Ausbaupläne für erneuerbare Energien. Bei den Investitionen in Stromnetze und Speicher sollten die Landesversorger und der Verbund so richtig vorangehen können, sagte der Generalsekretär des Ministeriums, Josef Plank. Dabei gehe es um zweistellige Milliardensummen. (APA)