Letztes Update am Di, 12.03.2019 13:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sportindustrie

Angebotsfrist für Aktionäre von Atomic-Mutter Amer verlängert

94,4 Prozent halten chinesische Investoren am finnischen Sportartikelhersteller Amer Sports. Für die verbleibenden Aktionäre wurde die Angebotsfrist bis 27. März verlängert.

Zwar ist Atomic mit Sitz in Altenmarkt im Pongau schon seit 25 Jahren nicht mehr in österreichischem Besitz, die Marke ist aber zumindest in Salzburg nach wie vor untrennbar mit dem Namen des Firmengründers Alois Rohrmoser verbunden.

© APAZwar ist Atomic mit Sitz in Altenmarkt im Pongau schon seit 25 Jahren nicht mehr in österreichischem Besitz, die Marke ist aber zumindest in Salzburg nach wie vor untrennbar mit dem Namen des Firmengründers Alois Rohrmoser verbunden.



Wien – Eine chinesische Investorengruppe unter Führung des Sportartikelherstellers Anta Sports hält seit vergangenem Freitag rund 94,4 Prozent am finnischen Sportartikelhersteller Amer Sports (Atomic, Salomon, Wilson). Für die verbleibenden Amer-Aktionäre wurde die Angebotsfrist bis 27. März verlängert, teilte das Investorenkonsortium am Dienstag in einer Aussendung mit.

Den Aktionären des finnischen Sportartikelherstellers hat die Investorengruppe im Dezember 40 Euro je Anteilsschein angeboten. Dies war ein Aufschlag von 14 Prozent zum damaligen Schlusskurs. Zur Investorengruppe gehören der große chinesische Sportartikelhersteller Anta Sports, die Finanzinvestor FountainVest Partners und Anamered Investments sowie der chinesische Internetriese Tencent. Die Investorengruppe lässt sich den Kauf mehr als 4,6 Mrd. Euro kosten. Für die Übernahme leiht sich das Konsortium laut Marktbeobachtern rund 3 Mrd. Euro. Damit die fremdfinanzierte Übernahme von Erfolg gekrönt sei, müssten die Umsätze von Amer kräftig gesteigert und die Kosten deutlich reduziert werden.

Der Chef von Anta Sports, Ding Shizhong, zeigte sich mit dem Ergebnis der Amer-Übernahme zufrieden. „Das erfolgreiche Übernahmeangebot ermöglicht es uns allen Kräfte zu bündeln, um die Zukunft der globalen Sportindustrie zu gestalten“, so Ding. In den kommenden Monaten werde man mit Amer Sports zusammenarbeiten, um „den zukünftigen Wachstumskurs zu skizzieren“. (APA)

Österreichische Skiindustrie ist fest in ausländischer Hand

Die Skihersteller Atomic, Blizzard, Head und Kästle mit Sitz in Österreich sind in ausländischer Hand. In den 1990er-Jahren kriselte es bei vielen Skiproduzenten und Sportartikelhersteller aus dem Ausland griffen zu. Fischer und der Tourenski-Hersteller Hagan haben noch österreichische Eigentümer. Laut Branchenschätzungen stammt rund die Hälfte der weltweit verkauften Ski von Austro-Herstellern.

Die Exportquote bei den Skiherstellern mit Sitz in Österreich liegt bei rund 80 Prozent. Über 2.000 Mitarbeiter fertigen Ski für den österreichischen und den weltweiten Markt. Die Salzburger Skifirma Atomic gehört seit dem Konkurs im Jahr 1994 und dem Verkauf durch die Hausbank Bawag zum finnischen Amer-Konzern (u.a. Salomon, Wilson) und hat zuletzt rund 170 Mio. Euro umgesetzt. Amer wurde nun von einer chinesischen Investorengruppe unter Führung des Sportartikelkonzern Anta übernommen. Atomic betreibt neben Altenmarkt (Salzburg) ein weiteres Werk in Bulgarien.

Blizzard mit Sitz in Mittersill (Salzburg) wechselte nach der Insolvenz im Jahr 1996 mehrfach den Eigentümer. Seit 2007 gehörte der Skihersteller zur italienischen Tecnica-Gruppe. Der Head-Vorläufer HTM (Head Tyrolia Mares) gehörte Anfang der 1990er-Jahren kurzzeitig der staatlichen Austria Tabak und wurde 1996 vom schwedischen Investor Johan Eliasch gekauft. Eliasch brachte Head im Jahr 2000 an die Wiener Börse. Bis zum Börsenabschied im Jahr 2015 verlor die Aktie rund 80 Prozent an Wert. Head produziert derzeit Ski in Kennelbach (Vorarlberg) und Tyrolia-Skibindungen in Schwechat (Niederösterreich).

Der Vorarlberger Skiproduzent Kästle hat seit März mit der tschechische Unternehmensgruppe ConsilSport einen neuen Mehrheitseigentümer. ConsilSport hält 90,4 Prozent und die österreichische Knünz GmbH 6 Prozent. Den Rest halten weitere Investoren.

Der oberösterreichische Skihersteller Fischer ist noch in Familienbesitz. Die J. Fischer Privatstiftung hält laut „Wirtschafts-Compass“ 80,7 Prozent an der Firma und die Sturmberger-Fischer Privatstiftung 19,3 Prozent. Der ehemalige Firmenchef Josef Fischer (89) verfolgt laut Medienberichten noch immer jedes Weltcup-Skirennen und ist mit dem Fischer-Sports-Geschäftsführer Franz Föttinger in Kontakt. Der ebenfalls aus Oberösterreich stammende Tourenskiproduzent Hagan gehört zu 60 Prozent dem Firmenchef Franz Siegesleuthner und zu 40 Prozent dem Werber und Immobilieninvestor Alois Grill. Hagan feiert heuer sein 95-jähriges Bestehen und ist damit eine der ältesten Ski-Marken der Welt.

Österreich hat Frankreich in der Saison 2017/18 bei den verkauften Ski überholt und liegt damit hinter den USA auf Platz 2. Seit dem Tiefpunkt in der Saison 2014/15 mit 326.000 verkauften Paar Ski stiegen die Verkaufszahlen in Österreich auf 392.000 Ski in der Saison 2017/18, geht aus Daten des Verbands der europäischen Sportartikelhersteller (FESI) hervor.

Laut dem Branchenverband wurden weltweit nur in den USA mit knapp 530.000 Paar mehr Ski verkauft. In Österreich sind in der vergangenen Saison rund ein Achtel der 3,1 Millionen weltweit produzierten Paar Ski verkauft worden, der Marktanteil liegt bei knapp 13 Prozent.