Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 25.03.2019


Sicherheit

Das Smarthome kann zur Spionagefalle werden

Rund 400 Mio. Euro werden für Alarmanlagen und Videoüberwachung ausgegeben. Anlagen aus dem Netz weisen „große Mängel“ auf.

Login-Daten von billigen Alarmanlagen lassen sich laut Tests häufig einfach abfangen. Hacker erhalten dann Zugriff auf Kameras im Haus.

© Getty Images/iStockphotoLogin-Daten von billigen Alarmanlagen lassen sich laut Tests häufig einfach abfangen. Hacker erhalten dann Zugriff auf Kameras im Haus.



Innsbruck – Das Unsicherheitsgefühl der Österreicher ist in den vergangenen Jahren gestiegen: In einer Umfrage der OECD gaben 50 Prozent der Österreicher an, dass Gewalt und Kriminalität ihre größten Sorgen seien. Das spiegelt sich in den Ausgaben für Sicherheit wider. Die Umsätze am Sicherheitsmarkt stiegen laut dem Verband der Sicherheitsunternehmen Österreichs von 2016 auf 2017 von 1,13 Mrd. Euro auf 1,28 Mrd. Euro. Mehr als ein Drittel (432 Mio. Euro) floss dabei in Videoüberwachung und Alarmanlagen.

„Die Zahl der Alarmanlagen ist absolut im Steigen. Früher leistete man sich das nur in Villen, mittlerweile ist es normal, sich auch in Wohnungen oder Einfamilienhäusern Alarmanlagen einbauen zu lassen“, sagt Bernhard Kofler, Alarmanlagenexperte beim Innsbrucker Eletrotechnikunternehmen Figl+Spielberger, dem Betrieb des stv. Landesinnungsmeisters Wolfgang Leitner.

Laut Kofler sei die steigende Nachfrage nach Alarmanlagen nicht nur auf die gestiegene Unsicherheit zurückzuführen, sondern auch auf gesunkene Preise.

„Eine gute Standard-Anlage für ein Einfamilienhaus kostet zwischen 3000 und 5000 Euro“, sagt Kofler. Es geht aber noch billiger. Mehr Kunden greifen zu Smarthome-Lösungen aus dem Netz ab 100 bis 500 Euro. Bei einem Test der deutschen Stiftung Warentest zeigten jedoch alle getesteten Geräte aus dem Inernet zum Selbsteinbau „mehr oder minder große Sicherheitsmängel“. „Für 100 oder 500 Euro kann man keine sicheren Systeme bauen“, warnt Kofler. Das würde bereits bei so einfachen Problemen wie beim Stromausfall anfangen. „Diese Anlagen funktionieren meist über Apps und WLAN. Fällt der Strom aus oder ein Einbrecher schaltet die Sicherung aus, kann man einfach, ohne den Alarm auszulösen, durch die Tür spazieren“, sagt der Experte. Zudem hätten die meisten billigen Smarthome-Lösungen keine Sabotage- und Abhebesicherung und seien anfällig für Fehlalarme. Ein weiteres Problem sei Datenklau. „Wer die Login-Daten abfängt, hat vollen Zugriff auf alle Kameras im Haus und kann das Sicherheitssystem als Spionagetool missbrauchen“, warnt Stiftung Warentest.

Kofler rät zu zertifizierten Alarmanlagen. Diese würden EU-Normen unterliegen und hohe Mindeststandards aufweisen wie geschlossene Systeme, auf die nur die Haus- oder Wohnungsbesitzer Zugriff haben. Der Alarm sei mit der nächsten Funkzentrale oder einem Sicherheitsdienst verbunden. „Die Systeme müssen über ein Notstromaggregat verfügen, das die Anlage, wenn der Strom ausfällt, 72 Stunden am Laufen hält. (ecke)

Alexa-Gedanken zur Sicherheit

Seattle — Amazon setzt mit neuen Geräten und Diensten seit Herbst für seine Assistenzsoftware Alexa zur Dominanz im vernetzten Zuhause an. So wird der Online-Händler Herstellern von Hausgeräten künftig günstige Einbau-Module anbieten, mit denen sie Alex­a in ihre Technik integrieren können. Bei Amazon gekaufte Smarthome-Technik anderer Hersteller soll ohne umständliche Einrichtung sofort funktionieren.

Zur Vision gehört die Alarmanlage Guard, die zum Beispiel anspringt, wenn sie hört, dass ein Fenster eingeschlagen wurde oder ein Rauchmelder anging. Dafür kann sie auf die Mikrofone von Echo-Lautsprechern in verschiedenen Räumen zurückgreifen. „Wir haben viel Glas zerschlagen", damit die Software das entsprechende Geräusch erkennt, sagte Alexa-Forschungschef Rohit Prasad.

Außerdem soll Alexa sich automatisch Gedanken über die Sicherheit des Haushalts machen. Sagt man ihr zum Beispiel „Gut­e Nacht", könnte sie von sich aus darauf hinweisen, dass etwa das Licht auf der Terrasse noch brennt oder die Hintertür nicht abgeschlossen ist. Die Software lerne dafür aus dem typischen Verhalten in einem Haushalt, eher über mehrere Wochen als Tage, sagte Amazons Smarthome-Chef Daniel Rausch. (APA)