Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 21.04.2019


Markt

Boschan empfiehlt Aktienkauf

Der Chef der Wiener Börse, Christoph Boschan, sieht Aktienkauf als Mittel zur effektiven Geldanlage.

Der Chef der Wiener Börse, Christoph Boschan, wünscht sich mehr „Aktienkultur“.

© MCIDer Chef der Wiener Börse, Christoph Boschan, wünscht sich mehr „Aktienkultur“.



Innsbruck – „Der Kapitalmarkt ist nicht nur zu pflegen, sondern laufend weiterzuentwickeln“, so das Credo des 2016 zum Chef der Wiener Börs­e berufenen Christoph Boschan. Tatsächlich tut sich am 1771 von Maria Theresia gegründeten Wiener Handelsplatz – damals eine der ersten Börsen der Welt – einiges. Es geht um Internationalisierung, Innovatio­n, eine Erweiterung des Leistungs­angebots, einen möglichst einfachen und kostengünstigen Zugang von Unternehmen zum Kapitalmarkt und die Förderung der in Österreich unterentwickelten Aktien­kultur.

Gerade die Aktienkultur sieht Boschan als eine der wichtigsten Maßnahmen, um Ungleichheiten in der Vermögensverteilung nicht zu groß werden zu lassen. Immerhin – so der vorher an der Börse Stuttgart engagierte Berliner – liege die langfristige Aktienrendite bei sieben Prozent und damit deutlich über anderen Anlageformen und der Entwicklung der Reallöhne.

Und so kann sich Christoph Boschan auch einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Ich verstehe nicht, wie häufig absolut­e Randthemen die politische Diskussion und mediale Aufmerksamkeit beherrschen und dieses wirtschafts- und sozialpolitisch­e Thema faktisch völlig unbeachtet bleibt.“

Hier sei auch der Staat gefordert, Akzente zu setzen und junge Menschen wie einkommensschwächere Gruppen mit einschlägigen Anreizen an den Aktienmarkt heranzuführen. Die Wiener Börse kooperiert im Verbund mit ihrer Holding-Mutter CEESEG mit mehr als zehn Börsen in Zentral- und Osteuropa und hat sich über diesen Weg eine beachtliche Marktstellung in Europa erarbeitet.

Verbesserte Handelszeiten, zusätzliche Serviceleistungen und eine Erweiterung des Angebotsportfolios haben bereits zu einem deutlichen Wachstum des Handels­umsatzes geführt und sollen weiter ausgebaut werden. Besonderes Augenmerk für die nächsten Jahre gilt dem neu geschaffenen Marktsegment „direct market plus“, einem auf die Bedürfnisse von rasch wachsenden Start-ups und KMU abgestimmten Angebot, welches bereits ab einem Jahresumsatz von etwa 10 bis 20 Mio. Euro interessant ist. „Damit verringern wir die Abhängigkeit von Fremdkapital, ermöglichen Wirtschaftswachstum und fördern den heimischen Standort.“ (TT)