Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.04.2019


Markt

Schweinepest in China: Wurst und Schinken teurer

Massenhafte Notschlachtungen in China heizen Preise für Schweinefleisch an. Nur 2,7 % heimischer Schweine sind Bio, Zahlungsbereitschaft gering.

Nach den Osterferien dürften die Preise an den Wursttheken in Österreich steigen.

© iStockNach den Osterferien dürften die Preise an den Wursttheken in Österreich steigen.



Wien – Schweinefleisch, Würste und Schinken werden bald teurer. Wegen der Schweinepest in China mussten bereits Millionen von Tieren notgeschlachtet werden, dies hat auch die Preise an der heimischen Schweinebörse um ein Viertel steigen lassen. Der Preisanstieg kostet uns „massiv Geld“, sagte Rudolf Berger, Chef des niederösterreichischen Familienunternehmens Fleischwaren Berger – des größten Schinkenherstellers in Österreich, der mit Schinken, Wurst und Fleisch rund 144 Mio. Euro umsetzt. Nach Ostern werde es Gespräche mit dem Handel geben, damit man den Preisanstieg ausgeglichen bekomme, sagte Berger. Es gebe von den Handelsketten „sehr positive Signale“. In den Berger-Filialen und Abholmärkten steigen die Preise für Produkte mit Schweinefleisch nach den Osterferien. Schinken soll um rund 60 bis 70 Cent pro Kilogramm teurer werden. Die größte Herausforderung für heimische Fleisch- und Wurstwarenerzeuger sind laut Berger die Handelsketten mit ihren eigenen Großfleischereien.

Der Schweinepreis schwankt je nach Jahreszeit deutlich, legte aber in den vergangenen zehn Jahren insgesamt nicht zu. Agrarvertreter warnen davor, dass viele Schweinebauern in Österreich aufgrund des Preisverfalls in den kommenden Jahren möglicherweise zusperren müssten. Mit dem aktuellen Schlachtschwein-Preisanstieg von 1,48 Euro auf 1,79 Euro/kg gibt es eine Verschnaufpause für die Bauern. Berger ortet bei Konsumenten steigendes Interesse für Tierschutz und Regionalität. Die Zahlungsbereitschaft für höhere Standards sei aber nicht hoch.

Laut der Umweltorganisation WWF werden nur 2,7 % der heimischen Schweine unter Bio-Bedingungen gehalten, 97,3 % konventionell. Besonders problematisch bei der konventionellen Schweinezucht sei der breite Einsatz von importiertem Sojaschrot als Futtermittel, das meist gentechnisch verändert sei. „Ein Bio-Siegel oder ‚Ohne-Gentechnik-Siegel‘ macht gerade bei Schweinefleischwaren einen großen Unterschied“, erklärt WWF-Ernährungsexpertin Helene Glatter-Götz: „Gleichzeitig wissen Konsumenten oft nicht, woher ihr Osterschinken stammt, da die Herkunft bei verarbeiteten Fleisch- und Wurstwaren nicht angegeben werden muss.“ Auch in der Gastronomie solle gekennzeichnet sein, woher das Fleisch am Teller stammt.

Preisentwicklung bei Schweinefleisch.
Preisentwicklung bei Schweinefleisch.
- APA

Laut WWF wird mit einem Pro-Kopf-Konsum von rund 37,2 Kilogramm in keinem anderen EU-Land so viel Schweinefleisch gegessen wie in Österreich. Jedes Jahr werden über 180.000 Tonnen Schweinefleisch in Österreich eingeführt und „vor allem in Bereichen ohne verpflichtende Herkunftskennzeichnung verwendet“, so die WWF-Expertin. (TT, APA)

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