Letztes Update am Di, 07.05.2019 12:42

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Insolvenzstatistik

Anstieg der Pleiten in Westeuropa, Österreich verzeichnet Rückgang

Die Insolvenzzahlen in Westeuropa ließ vor allem der Zuwachs in Skandinavien ansteigen. Österreichs Wirtschaft befindet sich weiter in einer sehr guten Verfassung.

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© Erwin WodickaSymbolfoto.



Wien – Am Dienstag präsentierte der Gläubigerschutzverband Creditreform sein jährliche Insolvenzstatistik für Europa. Fazit: Die konjunkturelle Entwicklung in Europas Volkswirtschaften hat sich im Jahresverlauf 2018 verlangsamt. Die weitgehend stabile Binnenkonjunktur habe aber vorerst den Aufschwung in Europa am Leben gehalten. So sei die Arbeitslosenquote niedrig geblieben, Lohnsteigerungen bei moderater Inflation sowie steigende Staatsausgaben hätten nochmals für Impulse gesorgt.

Die Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in der wichtigen Euro-Zone dürfte 2018 nochmals bei knapp zwei Prozent gelegen haben. Erhöht habe sich aber auch die Anfälligkeit Europas gegenüber negativen Einflüssen. So dürfte der konjunkturelle Aufschwung in den kommenden Monaten laut Creditreform weiter an Kraft verlieren und an der Stabilität der Unternehmen zehren.

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In Österreich gab es erneut einen Rückgang der Insolvenzzahlen (minus 1,8 Prozent), nachdem im Vorjahr bereits ein Minus von 3,9 Prozent zu Buche stand. Insgesamt gingen im Jahresverlauf 5.224 Firmen in Konkurs (2017: 5.318). Das war ein 17-Jahres-Tiefststand. Vor allem Klein- und Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern waren betroffen. Österreichs Wirtschaft befindet sich weiter in einer sehr guten Verfassung.

Die Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes (BIP) dürfte 2018 mit rund 2,7 Prozent erneut über dem europäischen Durchschnitt gelegen haben. Dabei machte sich der Aufschwung im produzierenden Gewerbe positiv bemerkbar. Der Fokus auf Osteuropa hilft offenbar dabei, die Brexit-Folgen abzumildern. Auch der private Verbrauch expandierte weiter.

Insgesamt waren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa im Jahr 2018 nicht mehr so günstig. Die Konjunktur hatte sich im Jahresverlauf 2018 merklich abgeschwächt. Auch die weiter bestehenden Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Brexit dürften die Wirtschaftslage beeinträchtigt haben.

Skandinavien treibt Insolvenzzahlen

In Westeuropa (EU-15-Länder plus Norwegen und Schweiz) ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2018 leicht gestiegen. Insgesamt waren hier 165.213 Unternehmensinsolvenzen zu verzeichnen. Das waren 0,3 Prozent mehr Fälle als im Jahr 2017 (164.798) und der erste Anstieg seit 2013. In Mittel- und Osteuropa hat sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen dagegen weiter verringert – um 6,6 Prozent auf 46.698 Fälle nahmen die Insolvenzen ab.

In sieben der 17 betrachteten Länder Westeuropas war ein Anstieg bei den Unternehmensinsolvenzen zu beobachten. Einen deutlichen prozentualen Anstieg verzeichneten dabei Luxemburg (plus 27,8 Prozent), gefolgt von Finnland (plus 17,3 Prozent), Schweden (plus 13,2 Prozent), Dänemark (plus 12,1 Prozent) und Norwegen (plus 9,9 Prozent). Mehr Insolvenzen als im Vorjahr wurden auch in der Schweiz sowie in Großbritannien registriert.

Einen deutlichen Rückgang der Insolvenzzahlen gab es in Griechenland (minus 31,7 Prozent) sowie in Irland (minus 12,2 Prozent) und in Portugal (minus 6,3 Prozent). Auch in den Niederlanden (minus 4,4 Prozent), in Deutschland (minus 3,6 Prozent), in Spanien (minus 3,1 Prozent) und in Italien (minus 2,9 Prozent) beruhigte sich das Insolvenzgeschehen weiter. Geringe Rückgänge verzeichneten Österreich und Frankreich.

Osteuropa uneinheitlich, Rückgänge in den USA

In Osteuropa verzeichneten Bulgarien, Lettland, Mazedonien, Polen, Slowenien und die Ukraine gegen den Trend einen Anstieg der Insolvenzzahlen. Spürbar zurückgegangen sind die Insolvenzzahlen hingegen in Tschechien, in der Slowakei sowie in Kroatien, in Litauen und in Estland. In der Türkei verringerte sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auf 13.593 Fälle (minus 7,5 Prozent). Viele insolvente Unternehmen stammen hier aus dem Handel.

In den Vereinigten Staaten (USA) haben sich die Insolvenzzahlen im Jahr 2018 leicht verringert. Es wurden 37.822 Firmeninsolvenzen registriert. Das ist ein Minus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Mehr Insolvenzen im Handel

Wieder leicht gestiegen sind die Insolvenzzahlen im westeuropäischen Baugewerbe (plus 1,0 Prozent), vor allem aber im Handel (plus 4,2 Prozent). Noch im Vorjahr gab es in beiden Sektoren Rückgänge. Weniger Insolvenzen waren im Verarbeitenden Gewerbe (minus 1,8 Prozent) und im Dienstleistungssektor (minus 2,6 Prozent) zu verzeichnen. Etwa ein Drittel aller Firmeninsolvenzen in Westeuropa (32,1 Prozent) entfiel 2018 auf den Handel (inkl. Gastgewerbe). Dieser Anteil hat sich gegenüber dem Vorjahr (30,9 Prozent) deutlich erhöht.

In Osteuropa war der Handel für den überwiegenden Teil der Insolvenzfälle verantwortlich (Anteil 2018: 38,4 Prozent). Gegenüber dem Vorjahr hat sich der Anteil dieses Sektors aber verringert. Gegen den Trend gab es mehr Insolvenzen dagegen im Dienstleistungsgewerbe Osteuropas (2018: 30,0 Prozent; 2017: 25,8 Prozent).

Höhere Gewinne und Eigenkapitalquoten

Die Gewinne der westeuropäischen Unternehmen sind zuletzt weiter gestiegen. 2017 wies gut jedes sechste Unternehmen (16,9 Prozent; Vorjahr: 16,2 Prozent) eine Gewinnmarge (EBIT) von mehr als 25 Prozent auf – noch 22,2 Prozent der Unternehmen erwirtschafteten Verluste. Dieser Anteil ist somit weiter gesunken (Vorjahr: 22,9 Prozent). Zum Vergleich: 2012 hatten noch fast 28 Prozent aller Unternehmen einen negativen operativen Gewinn erzielt. Überdurchschnittlich oft haben Unternehmen aus dem Handel und Gastgewerbe zuletzt Verluste erwirtschaftet.

Weiter erholt haben sich die Eigenkapitalquoten in Westeuropa. 44,7 Prozent der Unternehmen wiesen 2017 eine hohe Eigenkapitalquote von mehr als 50 Prozent auf (Vorjahr: 43,7 Prozent). Um fast fünf Prozentpunkte erhöhte sich dieser Anteil seit 2012 (40,1 Prozent). Eine sehr niedrige Eigenkapitalquote von unter 10 Prozent war bei knapp jedem vierten Unternehmen zu konstatieren (22,8 Prozent; Vorjahr: 23,5 Prozent). Am höchsten von allen Wirtschaftsbereichen ist der Anteil der eigenkapitalschwachen Unternehmen weiterhin im Handel. (TT.com)