Letztes Update am Di, 21.05.2019 13:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neuwahlen in Österreich

KSV: Gläubigerschützer warnen vor Stillstand

Verzögerungen bei Reformen würden den Unternehmen nicht gut tun. Der KSV warnt auch von einer „digitalen Lethargie“.

Der Vorstand der KSV1870 Holding AG Ricardo-Jose Vybira

© APADer Vorstand der KSV1870 Holding AG Ricardo-Jose Vybira



Wien – Der Kreditschutzverband KSV1870 zeigten sich heute am Rande einer Pressekonferenz enttäuscht über das Ende der türkis-blauen Koalition. Die Gläubigerschützer befürchtet, dass viele Reformmaßnahmen nun nicht oder nur verspätet umgesetzt werden. Das am Wochenende aufgetauchte Video von Ex-FPÖ-Parteichef Heinz Christian Strache ist „mehr als beschämend und ein Schaden für den Wirtschaftsstandort“, so KSV1870-Chef Ricardo-Jose Vybiral.

Er erwartet heuer weitere Verzögerungen bei Reformen, insbesondere bei den Steuern. „Das tut den Unternehmen nicht gut“, so der Kreditschützer. „Wir können davon ausgehen, dass die Steuerreform abgebremst wird, das ist alles sehr schade“, erklärte Vybiral am Dienstag. Dass nun von einer Expertenregierung die Rede ist, verwundert die Gläubigerschützer - man habe nämlich erwartet, dass auch vorher schon Experten tätig waren.

Zu wenig Mut für Neues

Die Kreditschützer warnen indessen die Unternehmen vor all zu viel Selbstzufriedenheit. Es gehe den Firmen zwar gut, aber gerade im digitalen Bereich herrsche großer Nachholbedarf - der aber nur sehr bedingt gesehen werde. „Es gibt zu wenig Mut für Neues, wir verwalten das Bestehende, verändern aber zu wenig“, so Vybiral am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Sein Fazit: „Feuer am Dach sehen wir schon.“ Österreich gehe es gut, „aber wir müssen Maßnahmen setzen“. Laut einer Umfrage des KSV1870 unter 700 Unternehmern haben 80 Prozent keine digitale Agenda. „Das ist eine echte digitale Lethargie“, so Vybiral. Gerade im Gewerbe und im Handel herrsche Nachholbedarf. Fast 40 Prozent jener befragten Unternehmen, die keine digitale Agenda haben, gaben an, dass sie keinen Bedarf dafür hätten. Immerhin 17 Prozent meinten, dass diese für sie nicht finanzierbar sei.

„Es gibt auch gute Nachrichten“

Das Eigenkapital der Firmen hat etwas zugelegt, die Banken sind nicht mehr so zurückhaltend bei der Kreditvergabe und die Inhaber stehen Beteiligungen positiver gegenüber. Nach wie vor wird aber die viele Bürokratie in dem Land beklagt, wobei die Kreditschützer dies ein wenig überrepräsentiert sehen.

70 Prozent der befragten Unternehmen bewerten die aktuelle Geschäftslage als sehr gut oder gut - und das schlägt auch auf die Investitionsfreude durch. 43 Prozent der Firmenlenker wollen ihre Ausgaben gegenüber dem Vorjahr erhöhen. Ihre Stärken sehen die Firmen vor allem im guten Service, weit abgeschlagen dahinter kommt der moderne Führungsstil. (APA, TT.com)