Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 29.05.2019


Markt

Länder erhöhen massiv ihre Goldreserven

In vielen Währungen notiert Gold aktuell auf einem Allzeithoch.

© REUTERSIn vielen Währungen notiert Gold aktuell auf einem Allzeithoch.



„Der Goldpreis schleicht sich langsam nach oben", meinte gestern Fondsmanager Ronald-Peter Stöferle bei der Präsentation des diesjährigen Reports „In Gold We Trust" in Wien. Stöferle ortet eine Vertrauenskrise in politische Institutionen und in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Das lasse das Interesse an Gold steigen.

Ein wesentlicher Trend sei auch die De-Dollarization, also die Abkehr vom US-Dollar als Weltwährung, meint Stöferle. „Die massiven Goldkäufe durch Notenbanken seitens der Russen, aber auch der Chinesen — wobei China da ein bisschen verdeckt agiert — zeigen, dass sich die Welt sukzessive vom US-Dollar emanzipiert." 2018 habe es die meisten Goldkäufe durch Notenbanken seit dem Jahr 1971 gegeben. Insgesamt hätten Notenbanken im Vorjahr mehr als 650 Tonnen Gold gekauft. Österreich war nicht darunter. Unter den Top-Goldkäufern befand sich aber das Nachbarland Ungarn, das seine Goldreserven verzehnfacht hat (28,4 Tonnen). Die größte Goldmenge hat 2018 mit 274,3 Tonnen Russland gekauft.

Wie immer gelte: je expansiver die Geldpolitik, desto besser für den Goldpreis. „Wenn die Rezessionswolken sich verdichten, dann werden die Notenbanken nicht tatenlos zusehen, dann werden wir Negativzinsen sehen", meint Stöferle. Die Entwicklung des Goldpreises hänge auch sehr stark davon ab, wie sich die US-Wirtschaft heuer entwickelt. „Je expansiver die Geldpolitik, desto besser das Umfeld für Gold", sagen die Goldexperten von Incrementum. „Wenn Gold die Widerstandszone bei 1360 bis 1380 US-Dollar durchbrechen kann, ist bis zur Veröffentlichung des nächsten „In Gold We Trust"-Reports im Mai 2020 ein Goldpreis von 1500 Dollar denkbar." (ecke)