Letztes Update am Mi, 29.05.2019 13:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Einkaufstest

Kaum Beratung bei Verkauf von Pestiziden an Privatanwender

In nur 31 Prozent aller Fälle wurden umweltschonende Pflanzenschutzmaßnahmen empfohlen.

Derzeit werden dem NGO jährlich noch etwa 700 Tonnen Pestizide in Österreichs Gärten versprüht.

© Thomas Böhm / TTDerzeit werden dem NGO jährlich noch etwa 700 Tonnen Pestizide in Österreichs Gärten versprüht.



Wien — Die Beratung beim Pestizid-Einkauf für den Privatgebrauch in Österreich ist verbesserungswürdig. So lautet das Fazit nach 26 Testeinkäufen von Global 2000 in Gartencentern, Baumärkten und Lagerhäusern mit Gartenabteilung. „In nur 31 Prozent aller Fälle wurden umweltschonende Pflanzenschutzmaßnahmen empfohlen", hieß es in einer Presseaussendung vom Mittwoch.

„Insekten und insbesondere Bestäuber wie Bienen, Schmetterlinge und Hummeln nehmen eine zentrale Rolle in den natürlichen Ökosystemen, aber auch für uns Menschen ein", sagte Waltraud Novak, Biodiversitätsexpertin bei Global 2000. „Sie reagieren besonders sensibel auf Umweltgifte." Derzeit werden dem NGO jährlich noch etwa 700 Tonnen Pestizide in Österreichs Gärten versprüht.

Keine Aufklärung trotz Nachfrage

In 62 Prozent der Testeinkäufe von Global 2000 wurde auch auf Nachfrage nicht auf Risiken für die Umwelt aufmerksam gemacht, in 50 Prozent nicht auf die vorgeschriebenen Wartefristen zwischen Spritzen und Verzehr von Obst und Gemüse. In 50 Prozent der Testeinkäufe informierten die Mitarbeiter selbst auf Nachfrage nicht oder nur sehr lückenhaft auf Gesundheitsrisiken bzw. Schutzkleidung.

Biozide sind nach wie vor „flächendeckend in Selbstbedienung und ohne Beratung erhältlich", so Global 2000. Als positive Ausnahme wurde Bellaflora genannt. In Mitteln zur Bekämpfung von vermeintlichem Ungeziefer seien immer noch Wirkstoffe enthalten, die bei Pflanzenschutzmitteln für Privatpersonen nicht mehr zugelassen sind, wie zum Beispiel das Neonicotinoid Imidacloprid oder Fipronil, und das obwohl beide Wirkstoffe sogar in der konventionellen Landwirtschaft verboten sind.

Nur 12 Prozent positiv bewertet

Die Gesamtbewertung der Testeinkäufe fiel in 15 Prozent negativ aus, da in den Regalen der Geschäfte umweltgiftige Mittel zu finden waren und die Beratung nicht ausreichte, um eine sichere Verwendung der Pestizide zu gewährleisten. Bei 73 Prozent war die Beratung nicht sehr ausführlich, aber zumindest wurden die relevantesten Informationen gegeben. Bei zwölf Prozent wurden Beratung und Sortiment positiv bewertet.

Nur bei vier Prozent wurden ausschließlich chemisch-synthetische Mittel angeboten. Bei 65 Prozent der Testeinkäufe wurden teilweise — in erster Linie für den Einsatz bei essbarem Obst und Gemüse — biologische Produkte empfohlen, jedoch auch chemisch-synthetische Mittel. Aber nur mehr zwei Unternehmen hatten noch glyphosathältige Produkte im Sortiment. (APA)