Letztes Update am Di, 04.06.2019 13:52

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sommerurlaub

Österreicher reisen wieder verstärkt in die Türkei

Die Terroranschläge und der Putschversuch 2016 scheinen zusehends in Vergessenheit zu geraten.

Blick auf die Altstadt Kaleici und den Hafen von Antalya (l.).

© istockBlick auf die Altstadt Kaleici und den Hafen von Antalya (l.).



Wien, London – Die Türkei als günstige Destination für Familienurlaub zeigt auch in diesem Sommer wieder steigende Buchungszahlen. „Das ist jetzt das dritte Jahr hintereinander, dass bei uns die Türkei wächst“, sagte der Österreich-Chef des Reiseveranstalters Thomas Cook, Ioannis Afukatudis, am Dienstag im Gespräch mit der APA. Allerdings sei das auch ein „Zielgebiet mit sehr hohem Preisdruck“.

„Die Wettbewerber neigen dazu, die Preise dort zu senken, es ist billig, das schadet am Ende des Tages der gesamten Branche, denn die Deckungsbeiträge gehen zurück“, so der Touristiker. Den Urlaubern, die aufs Geld schauen müssen, gefällt das. Die Terroranschläge und der Putschversuch 2016 scheinen zusehends in Vergessenheit zu geraten. Damals verlagerten sich die Reiseströme innerhalb Europas in Richtung Spanien. Auch Griechenland als Urlaubsziel begann sich von den Medienberichten über die Flüchtlingskrise zu erholen. Und Bulgarien galt als die günstige Alternative zur Türkei.

Spanien wird teurer

Infolge der verstärkten Buchungen sind vor allem die spanischen Tourismusbetriebe mit ihren Preisen spürbar nach oben gefahren. „Das ist immer noch so“, berichtete Afukatudis. Bei Thomas Cook, dem hierzulande drittgrößten Reiseanbieter (hinter TUI und Rewe Austria Touristik), ist Spanien – vor allem die Baleareninsel Mallorca – aber auch heuer wieder das beliebteste Flugpauschalreiseziel der Österreicher, gefolgt von Griechenland und der Türkei.

„Wir stellen aber fest, dass die Nachfrage nach dem spanischen Zielgebiet rückläufig ist – einerseits aufgrund der Preisentwicklung, andererseits infolge der Umverteilung – zum Beispiel ist Ägypten wieder da, die Türkei ist wieder da, vor allem die Türkei nimmt sehr viele Gäste“, betonte der Reiseexperte. Eine deutliche Belebung des Geschäfts zeigten heuer auch Griechenland und Tunesien.

Die fixen Flugkapazitäten in Richtung Griechenland wurden heuer jedenfalls um 5 bis 7 Prozent aufgestockt, in Richtung Spanien blieb man insgesamt auf Vorjahresniveau - in Richtung Kanaren wurde reduziert, in Richtung Mallorca ausgeweitet. Weitere Plätze bei Billig-Fliegern gebe es dann bei Bedarf „sowieso automatisch“. Engpässe und chaotische Zustände auf den Airports infolge von Flugausfällen wie im vergangenen Jahr befürchtet er nicht.

Pauschalreisen haben verstaubtes Image

„Griechenland hat aufgeholt - wir investieren da stärker“, sagte Afukatudis unter Verweis auf die neue Premium-Marke „Casa Cook“. Die drei derzeit bestehenden Hotels aus dieser Linie befinden sich auf Rhodos, Kos und Kreta - ein viertes soll dann allerdings auf Ibiza eröffnen.

Doch nicht nur die betuchtere Klientel hat Thomas Cook im Visier, auch die Jungen. Pauschalreiseanbieter haben vielfach ein verstaubtes Image und müssen sich etwas Neues einfallen lassen. Mit dem Konzept „Cook‘s Club“ will der Konzern die „Millennials“, Menschen zwischen 19 und 35 Jahren, ansprechen: „Es gibt keine festen Regeln, sie wollen frei sein, den Urlaub genießen und essen, wann sie wollen“, umriss Afukatudis die Eckpfeiler des Produkts. „Zwanglos und flexibel“, lautet das Motto. Die vorab organisierte Reise soll individuell sein, das Essen lokal, das Hotel „stylish“, aber bezahlbar. Auch der Musik-Mix muss stimmen – entspannt tagsüber am Pool und Beats am Abend an der Bar.

Bulgarien verliert

Die heuer deutlich angezogenen Buchungen der Österreicher in Richtung Türkei gehen zulasten Bulgariens. „Wir haben Bulgarien reduziert und über die Hälfte der Flugkapazitäten herausgenommen, weil die Nachfrage nicht da war und die Türkei sehr viele Gäste nimmt“, so der Vorstand der Thomas Cook Austria AG. Die Zahl der Flüge in die Türkei wurde „fast zweistellig“, also um knapp 10 Prozent, erhöht.

Anders als einige Mitbewerber ging Thomas Cook den Angaben zufolge mit den Preisen in der Türkei heuer um 3 bis 4 Prozent nach oben, in Griechenland etwas weniger stark (um 2 bis 3 Prozent). Spanien liege „eher auf Vorjahresniveau“, Ägypten und Tunesien ebenfalls.

Insgesamt läuft das Geschäft mit dem Urlaub bei dem Reiseveranstalter gut - die Buchungsumsätze und die Gästezahlen sind etwas höher als im Vorjahr. „Wir sind im Moment im Rahmen der Erwartungen - knapp über dem Vorjahr, ich bin zufrieden, weil wir es so geplant haben.“ (APA)


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