Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 28.06.2019


Markt

Bitcoins im Aufschwung, Gewinne sind zu versteuern

Derzeit besticht die älteste Kryptowährung wieder mit Kurskapriolen, Blockchain-Experte Florian Wimmer erinnert an die Steuerpflicht.

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Von Verena Langegger

Frankfurt, Innsbruck – Der Bitcoin bleibt sich und seinen Kursschwankungen treu: Nachdem er am späten Mittwochabend seinen Höhenflug zunächst fortgesetzt hatte, gab er gestern wieder deutlich nach. Zunächst stieg der Kurs bis Mitternacht bis auf 13.880 US-Dollar (12.216 Euro), bevor er wie ein Stein um 2000 Dollar fiel. Für Kurs­kapriolen ist die älteste und bekannteste Digitalwährung bekannt, was sie in den Augen von Kritikern als Zahlungsmittel weitgehend disqualifiziert. In den vergangenen Wochen ist der Bitcoinkurs jedoch wieder stark und recht stetig gestiegen. Seit Jahresbeginn belaufen sich die Kursgewinne auf rund 250 Prozent. Das erinnert an den massiven Höhenflug aus dem Jahr 2017, dem jedoch ein heftiger Absturz im Jahr darauf folgte.

Zuletzt profitierten der Bitcoin und andere Kryptowährungen vor allem von der Ankündigung von Facebook und weiteren Unternehmen, eine globale Digitalwährung namens Libra schaffen zu wollen. Kryptowährungen wie der Bitcoin müssen aber auch versteuert werden. „Grundsätzlich gilt für Kryptowährungen im Privatvermögen bei Verkauf innerhalb der einjährigen Behaltefrist, dass die hieraus resultierenden Spekulationseinkünfte unter den sonstigen Einkünften in der Einkommensteuererklärung einzutragen sind. Bei Kapitalgesellschaften ist eine Körperschaftsteuererklärung auszufüllen“, erklärt Florian Wimmer, Gründer von blockpit. Wimmer entwickelt Softwarelösungen auf Basis von Steuerproblematiken. Er empfiehlt allen Steuerpflichtigen, sämtliche Einkünfte aus Trades mit Kryptowährungen, Token oder Mining-Tätigkeiten transparent, sauber und lückenlos zu dokumentieren.

- APA

Denn diese Nachweise könnten – und würden auch – vom Finanzamt im Falle einer Prüfung eingefordert. Mit einer pflichtgemäßen Steuererklärung könne eine Strafe abgewendet werden, im schlimmsten Falle seien jedoch Nachzahlungsforderungen zehn Jahre lang möglich. „Bereits bei kleinen Finanzdelikten und annehmbarer Vorsätzlichkeit kann es zu Haftstrafen kommen“, warnt Wimmer.

Nicht einfach sei jedoch die steuerliche Einordnung von Initial Coin Offerings (ICO). „Handelt es sich bei Token um eine tatsächliche Verbriefung von Finanzinstrumenten, befindet man sich im Kapitalmarktrecht, werden jedoch Coins oder Token z. B. als Gutscheine (Utility Token) ausgegeben, gelten ganz andere Gesetze“, erklärt Wimmer. Bei „Mining“, also dem Herstellen von Kryptowährung, liege laut Wimmer grundsätzlich eine gewerbliche Tätigkeit vor, wenn die entscheidenden Kriterien Selbstständigkeit, Nachhaltigkeit, Gewinn­absicht und Beteiligung am wirtschaftlichen Verkehr gegeben sind.

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