Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 09.07.2019


Urlaubstipps

Schadenersatzanspruch: Mängel im Urlaub sofort melden

Einen fehlenden Balkon, ein schmutziges Zimmer oder Lärmbelästigung bei Pauschalreisen müssen sich die Urlauber nicht gefallen lassen. Bei groben Mängeln besteht Schadenersatzanspruch.

Wenn der Hotelstrand nicht so wie im Prospekt aussieht, kann die Urlaubsfreude erheblich getrübt werden.

© iStockWenn der Hotelstrand nicht so wie im Prospekt aussieht, kann die Urlaubsfreude erheblich getrübt werden.



Wien, Innsbruck — Die Hauptreisezeit beginnt und damit häufen sich die Beschwerden von Urlaubern, deren Aufenthalt nicht nach Wunsch verlaufen ist. Nicht alle Probleme in der Urlaubsunterkunft müssen hingenommen werden. Viele Mängel können rasch beseitigt werden, bei anderen gibt es Geld zurück.

1. Häufigste Mängel: Zu den häufigsten Reklamationen gehört, dass die Unterkunft in der Realität nicht mit den Bildern im Reiseprospekt mithalten kann. Auch nicht eingehaltene Serviceversprechungen oder mangelnde Hygiene können die Urlaubsfreude erheblich trüben.

2. Preisabschläge: Für die häufigsten Mängel können Urlauber bei Pauschalreisen Preisabschläge geltend machen. Bewährt hat sich dabei die so genannte „Frankfurter Tabelle". Fehlt etwa der gebuchte Balkon, besteht Anspruch auf bis zu zehn Prozent Minderung des Reisepreises, für Ungeziefer im Hotelzimmer sind bis zu 50 Prozent möglich. Lärmbelästigung in der Nacht kann die Kosten für die Reise um bis zu 40 Prozent senken, und bei mangelnder Verpflegung können bis zu 30 Prozent geltend gemacht werden. Die Prozentsätze sind jedoch nicht bindend.

3. Sofort melden: „Sobald Sie einen Mangel feststellen, sollten Sie beim Reisever­anstalter unter Setzung einer angemessenen Frist vor Ort kostenlose Verbesserung verlangen", betont Barbara Forster, Juristin beim Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) Österreich. Wenn Mängel nicht unverzüglich gemeldet werden, könne sich das auf die etwaige Preisminderung negativ auswirken, erklärt Forster. Die Mängel sollten dem Reisebüro und dem Veranstalter schriftlich gemeldet werden, Reklamation bei der Rezeption reiche nicht aus.

4. Beweise sichern: „Wir raten dazu, Mängel immer mit Fotos oder Videos zu dokumentieren", so Forster. Vor allem bei Mängeln, die nicht behoben werden können, „etwa, weil sich aus einer Felsenbucht kein Sandstrand machen lässt". Forster empfiehlt, sich eine schriftliche Bestätigung von der Reiseleitung vor Ort zu holen, dass die Mängel entsprechend reklamiert wurden.

5. Kostenlose Verbesserung: „Verbesserungen vor Ort müssen grundsätzlich kostenlos erfolgen", betont die Konsumentenschützerin. Oft könne bereits ein Umzug in ein anderes Zimmer den Urlaub retten. Der sofortige Umzug in ein anderes Hotel sei hingegen riskant, meint Forster: „Erklären Sie lieber dem Reiseveranstalter, warum ein Umzug notwendig ist, um eine mit der gebuchten Reise vergleichbare Leistung zu erhalten." Sie rät zur Setzung einer Frist mit dem Verweis, dass notfalls selbstständig das Hotel gewechselt wird und die Mehrkosten vom Reiseveranstalter zurückgefordert werden.

6. Preisminderung nach Rückkehr fordern: „Nach der Rückkehr aus dem Urlaub sollten Sie Ansprüche aus einer mangelhaften Reiseleistung so rasch wie möglich mit eingeschriebenem Brief gegenüber dem Reiseveranstalter geltend machen", rät Barbara Forster. Neben einer Mängelliste sollte dabei auch der Betrag, der zurückgefordert wird, angeführt sein. Als Anhaltspunkt diene hierbei die „Frankfurter Tabelle" oder die Zak-Preisminderungstabelle.

7. Schadenersatz bei Verschulden: „Trifft den Reiseveranstalter oder seinen Vertragspartner vor Ort ein Verschulden, dass ein Schaden eintritt, dann hat der Veranstalter auch Schadenersatz zu leisten", informiert Forster. Erkranke man etwa aufgrund eines verdorbenen Buffets, habe man Anspruch auf Schadenersatz für Heilungskosten und Schmerzensgeld. Wichtig sei jedoch eine Dokumentation des Ausmaßes und des Verlaufs der Erkrankung. Bei erheblichen Mängeln sei auch Schadenersatz für entgangene Urlaubsfreude möglich.

8. Gutscheine, die vom Reiseveranstalter als Entschädigung angeboten werden, müssen laut Forster nicht angenommen werden. „Sowohl bei der Preisminderung als auch beim Schadenersatz gilt, dass Sie einen Anspruch auf Rückerstattung bzw. Geldleistung haben."

9. Anreise: Häufiger wurden in den vergangenen Jahren Beschwerden über Flugverspätungen, Überbuchungen und Annullierungen. Bei Verspätungen ab zwei Stunden ist die Fluglinie verpflichtet, Mahlzeiten, Erfrischungen anzubieten, informiert die AK. Wird eine Übernachtung nötig, muss ein kostenloses Hotelzimmer organisiert werden. Bei Verspätungen von drei Stunden kann die Entschädigung bis zu 600 Euro betragen. Ab fünf Stunden ist es möglich, die Ticketkosten zurückzuverlangen oder einen Ersatzflug zu wählen. Bei Pauschalreisen wird geraten, sich an den Reiseveranstalter zu wenden. (ecke, TT)