Letztes Update am Mo, 08.07.2019 14:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Agrarwirtschaft

Zunehmende Unsicherheiten auf weltweiten Agrarmärkten

Die Produktivität wächst über die Nachfrage. Sinkende Preise sind gut für ärmere Verbraucher, bringen aber die Bauern unter Druck.

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Wien, Rom – Nach mehreren Jahren relativ ruhiger Marktbedingungen sind die weltweiten Agrarmärkte nunmehr wachsenden Risiken - einschließlich der politischen Unsicherheit aufgrund von Handelsstreits -, ausgesetzt. Das ist eines der Ergebnisse des Landwirtschaftsausblicks der OECD und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) 2019-2029, der am Montag veröffentlicht wurde.

Die weltweite Nachfrage nach Agrarprodukten wird demnach in den kommenden zehn Jahren um voraussichtlich 15 Prozent steigen. Gerade Regionen, in denen die Bevölkerung besonders rasch wächst, sind aber nicht jene, in denen die Nahrungsmittelproduktion nachhaltig steigt.

„Gute Nachrichten“ für ärmere Verbraucher

Weil die agrarische Produktivität insgesamt wächst, prognostizieren OECD und FAO, dass die inflationsbereinigten Preise für die wichtigsten Agrarerzeugnisse entweder stabil bleiben oder sinken. Für ärmere Verbraucher sei das „eine gute Nachricht“. Die landwirtschaftlichen Einkommen dürften hingegen einhergehend „unter Druck geraten“.

Weltweit wird die Verwendung von Getreide für Lebensmittel im Prognosezeitraum voraussichtlich um rund 150 Millionen Tonnen zunehmen, was einem Anstieg von 13 Prozent entspricht. Der größte Teil der Expansion wird Reis und Weizen prognostiziert. Der wichtigste Faktor für das angenommene Wachstum des Lebensmittelverbrauchs von Grundnahrungsmitteln ist das Bevölkerungswachstum, das in Afrika südlich der Sahara und in Südasien voraussichtlich am schnellsten zunehmen wird.

23 Prozent der weltweiten Exporte aus Lateinamerika

Zu den Risiken abseits der Handelsstreitigkeiten gehören den internationalen Organisationen zufolge die Ausbreitung von Pflanzen- und Tierseuchen wie etwa der Schweinepest, zunehmende Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe (Antibiotika) und immer extremere Klimabedingungen. „Ein offener, transparenter und vorhersehbarer Handel ist wichtig für die globale Ernährungssicherheit“, stellen OECD und FAO fest.

Beim heurigen Bericht lag ein Fokus auf Lateinamerika und der Karibik, wo 23 Prozent der weltweit exportierten Agrar- und Fischereiprodukte erzeugt werden. Bis 2028 könnte dieser Anteil auf 25 Prozent steigen.

„Die globale Landwirtschaft hat sich zu einem äußerst vielfältigen Sektor entwickelt, der von kleinen Subsistenzbetrieben bis hin zu großen multinationalen Betrieben reicht“, schreiben FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva und OECD-Generalsekretär Angel Gurría im Vorwort des Berichts. Neben der Bereitstellung von Nahrungsmitteln seien die heutigen Landwirte „wichtige Hüter der natürlichen Umwelt und Erzeuger erneuerbarer Energien geworden.“ (APA)

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