Letztes Update am Fr, 12.07.2019 16:22

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


KFZ-Industrie

Globale Autobranche rückt immer mehr zusammen

Die großen Autobauer müssen die Risiken bei ihren Milliardeninvestitionen in E-Autos und autonomes Fahren teilen. Partnerschaften ergeben jedoch nicht nur aus Kostengründen Sinn, sondern auch, um auf eine kritische Größe zu kommen.

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Frankfurt – Elektromobilität und autonomes Fahren gelten als die wichtigsten Zukunftsbereiche in der Autobranche. Jetzt haben Volkswagen und der US-Autobauer Ford, die bisher schon bei der Entwicklung von leichten Nutzfahrzeugen zusammenarbeiten, ihre Allianz auf diese Technologiefelder ausgeweitet - und setzen auf Vorteile für beide Seiten.

Volkswagen hat die Plattform MEB entwickelt, mit der das Unternehmen den künftigen Standard für E-Autos setzen will. Bis 2025 will der VW-Konzern markenübergreifend 50 Elektroauto- und 30 Plugin-Hybridmodelle auf dem Markt haben. Nun will Ford eigene E-Autos auf Grundlage dieser Plattform entwickeln. Das dürfte Fords Entwicklungskosten erheblich senken - und VW könnte seine Entwicklungsausgaben beispielsweise durch die Bereitstellung von Komponenten schneller wieder reinverdienen.

Außerdem investiert VW in die Ford-Technologieplattform Argo AI, die auf autonomes Fahren spezialisiert ist. Bei den Roboterautos ist vor allem die Entwicklung einer sicheren Software aufwendig und teuer - und die Konkurrenz ist groß. Denn neben den Autobauern und ihren Zulieferern mischen auch US-Technologieunternehmen wie die Google-Schwester Waymo oder Uber mit. Die beiden Tech-Firmen wollen keine eigenen Autos bauen, sondern Betriebssysteme für selbstfahrende Autos liefern - laut Branchenexperten der entscheidende Teil künftiger Mobilität.

„Kampf der Welten“

Der Auto-Experte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch-Gladbach spricht von einem „Kampf der Welten“. Etablierte Autohersteller und Technologiekonzerne wollen demnach ihr Dienstleistungsportfolio ausbauen und geraten sich dabei zunehmend ins Gehege.

Gleichzeitig herrsche beim Autonomen Fahren aber auch ein „Zwang“ zur Zusammenarbeit. Die Investitionen seien sehr risikoreich und es gebe keine Garantie, dass die Firmen auf das richtige Pferd setzen und nicht auf der Strecke bleiben. Die Autobauer müssten sich zudem „Ökosysteme“ mit Partnern aufbauen, weil sie viele Kompetenzen, beispielsweise in der Vernetzung der Fahrzeuge, gar nicht selber haben.

Entwicklungskonsortium mit mit chinesischem Google-Konkurrenten

In den vergangenen beiden Jahren sind diese Ökosysteme kräftig gewachsen. Daimler kooperiert bereits seit 2017 mit dem Zulieferer Bosch beim autonomen Fahren und neuerdings auch mit BMW. BMW wiederum arbeitet mit dem Chiphersteller Intel und dem Autobauer Fiat Chrysler zusammen. US-Konkurrent General Motors hat sich mit dem japanischen Autokonzern Honda zusammengetan. Der französische Autobauer Renault und sein japanischer Partner Nissan setzen wiederum auf Waymo.

Volkswagen hat sich einem Entwicklerkonsortium um den chinesischen Google-Konkurrenten Baidu angeschlossen. An diesem Konsortium arbeiten die meisten größeren Autohersteller mit.

Partnerschaften ergeben jedoch nicht nur aus Kostengründen Sinn, sondern auch, um auf eine kritische Größe zu kommen. So haben beispielsweise BMW und Daimler ihre digitalen Mobilitätsdienstleistungen zusammengeschlossen, um Uber Paroli zu bieten. Allein waren die Dienste der Autobauer dafür zu klein. (APA, AFP)