Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.07.2019


Markt

Handel: Kaum Shops im Internet

Obwohl die Löhne steigen, gewinnt der Einzelhandel nicht an Schwung. Laut Ökonomen bremst der steigende Wohlstand.

Oft fehlt es im Handel an der Präsenz im Internet.

© APA (Pfarrhofer)Oft fehlt es im Handel an der Präsenz im Internet.



Wien – Die Rahmenbedingungen für den Einzelhandel seien gar nicht schlecht, heißt es im UniCredit-Bank-Austria-Branchenbericht. Allerdings profitierte Österreichs Einzelhandel 2018 nur wenig von den stark steigenden Konsumausgaben der privaten Haushalte. Der Branchenumsatz sei nominell um 1,8 Prozent auf 64,2 Milliarden Euro gestiegen. Preisbereinigt bleibe allerdings nur ein Umsatzplus von 0,2 Prozent. Einige große Sparten, wie etwa der Bekleidungs- und Schuhhandel oder der Möbelhandel, hätten laut Branchenbericht real sogar Umsatzeinbußen im Bereich von zwei Prozent verbucht.

Die höchsten Wachstumsbeiträge kamen 2018 vom Lebensmitteleinzelhandel. Punkten konnten hier vor allem große Ketten. Dahinter folgten die Apotheken mit einem Umsatzwachstum von 3,9 Prozent nominell auf 4,8 Milliarden Euro und die Baumärkte mit einem Plus von fünf Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Auch für 2019 bleiben die Experten der Bank Austria optimistisch. Die Konsumnachfrage wachse weiterhin auf hohem Niveau. Auch die Beschäftigungszahlen und Löhne sollen weiter steigen. Für das zweite Quartal 2019 wird bereits ein schwächeres Wachstum erwartet. „In erster Linie bremst die mit dem steigenden Wohlstand der Gesellschaft zunehmende Sättigung der Haushalte die Ausgaben für einzelhandelsrelevante Waren“, analysiert Günter Wolf, Ökonom der UniCredit Bank Austria. Zudem habe Österreichs Einzelhandel Kunden an die Online-Konkurrenz aus dem Ausland verloren. Der Grund: Die Branche sei im Internet im europäischen Vergleich relativ wenig präsent. 2018 hatten erst 22 Prozent der österreichischen Einzelhändler einen eigenen Webshop (EU-Durchschnitt: 26 Prozent). (ver)