Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 31.07.2019


Wohnen

Österreicher träumen immer öfter vom Haus am Land

Der Trend zur Wohnung in der Stadt lässt nach. Für das Haus am Land nehmen immer mehr Österreicher auch längeres Pendeln in Kauf.

41 Prozent derjenigen, die auf Immobiliensuche sind möchten auf das Land ziehen.

© Getty Images/iStockphoto41 Prozent derjenigen, die auf Immobiliensuche sind möchten auf das Land ziehen.



Von Stefan Eckerieder

Wien – Leben am Land ist für Österreicher wieder attraktiver geworden. Mehr Österreicher, die auf Immobiliensuche sind, halten Ausschau nach einem Häuschen am Land. Damit geht auch der Trend zur Wohnung in der Hauptstadt zurück.

Suchten im vergangenen Jahr noch 42 Prozent eine Immobilie am Land, waren es heuer in der Umfrage des Immobilienunternehmens s Real bereits 47 Prozent. Das liegt laut s-Real-Chef Michae­l Pisecky auch daran, dass der Boom zur Stadtwohnung in den vergangenen Jahren zu steigenden Wohnungspreisen geführt hat. So sei ein Haus mit etwas Entfernung zur Stadt oft bereits zum selben Preis zu haben wie eine große Stadtwohnung. Bevorzugt seien Häuser „mit wenig Grund und wenig Arbeit“, sagt Pisecky. „Die Akzeptanz für Entfernung wird größer“, sagt der Immobilien­händler. Gesucht würden Immobilien mit bis zu einer Stunde Entfernun­g zum Arbeitsplatz.

Auf den Komfort eines Ballungszentrums wollen dennoch rund 53 Prozent der Österreicher nicht verzichten. Laut der Umfrage suchten zuletzt 13 Prozent der mehr als 5000 Befragten eine Immobilie in einer Bezirkshauptstadt, 15 Prozent zieht es in eine der acht Landeshauptstädte und ein Viertel (25 Prozent) will in der Bundeshauptstadt Wien wohnen.

An den Städten schätzen die Österreicher, dass es eben dort Arbeitsplätze, öffentliche Verkehrsmittel, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen und Einkaufsmöglichkeiten gibt. Vor allem junge Menschen leben lieber in der Stadt. „Immer weniger junge Leute besitzen einen Führerschein“, sagt Pisecky.

Entscheidend für die Suche nach einem neuen Zuhause sind vor allem in der Stadt laut der Auswertung die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und die Unabhängigkeit vom Auto.

Insgesamt waren 27 Prozent auf der Suche nach einem Mietobjekt. Gründe für eine Miete war für je ein Drittel die aktuelle Lebenssituation, wenn etwa Beruf oder Familienplanung einen Wohnwechsel nötig machen, mangelnde finanzielle Möglichkeiten und die persönliche Flexibilität und Freiheit.

Zugleich stand bei denjenigen, die auf der Suche nach einem Kaufobjekt waren, der Wechsel von der Miete zum Eigentum im Vordergrund. Die derzeit günstigen Kreditzinsen sind laut dem s-Real-Chef ein Anreiz. Das bestätigen auch die Zahlen. Waren im Jahr 2016 noch 53 Prozent der Befragten auf der Suche nach Immobilieneigentum, sind es heuer bereits 73 Prozent.

Hauptgrund für den Kauf einer Immobilie war die Aussicht auf ein Eigenheim mit überschaubaren Betriebskosten nach der Abzahlung (68 Prozent). Explizit als Vorsorge für das Alter sehen 16 Prozent den Immobilienerwerb. „Stabile überschaubare monatliche Belastungen, keine kostspieligen Übersiedlungen mehr und Wohninvestitionen nur noch in das eigene Heim“ sind laut Pisecky die Hauptmotive. Eine erwartete Wertsteigerung in der Zukunft sehen nur 11 Prozent an der vordersten Stelle. Immerhin 4 Prozent erwerben, um später etwas zu vererben.