Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.07.2019


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Treibhausgase aus der Landwirtschaft: Weniger Fleischkonsum als Klimaretter

Ein Viertel der klimaschädlichen Treibhausgase weltweit stammt von der Landwirtschaft. Auch Agrarsubventionen stehen in der Kritik.

Wiederkäuer wie Kühe tragen zu den Emissionen bei, weil sie beim Verdauen Methan erzeugen und ausstoßen.

© iStockWiederkäuer wie Kühe tragen zu den Emissionen bei, weil sie beim Verdauen Methan erzeugen und ausstoßen.



Genf – Etwa ein Viertel der klimaschädlichen Emissionen von Treibhausgasen stammt aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft und anderer Landnutzung. Wiederkäuer wie Kühe tragen zu den Emissionen bei, weil sie beim Verdauen Methan erzeugen und ausstoßen – ein Gas, das noch viel klimawirksamer ist als Kohlendioxid. Würden die Konsumenten ihren Fleischkonsum deutlich reduzieren, könnte man den Klimawandel verlangsamen, heißt es in einem Sonderbericht des Weltklimarates (­IPCC), der am 8. August in Genf veröffentlicht wird.

„Wenn alles weiter läuft wie bisher, wenn wir in Zukunft eventuell neun Milliarden Menschen auf der Erde haben und afrikanische Länder und China im Konsum den westlichen Ländern nachziehen, dann hätten wir ein Riesendrama“, sagt Mitautor Alexander Popp vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

„Mit wachsendem Wohlstand ändert sich auch das Konsumverhalten: Es wird beispielsweise mehr Fleisch gegessen. Fakt ist: Die Landnutzung trägt zum Klimawandel bei, sei es durch Düngung, Methanemissionen der Wiederkäuer oder die Entwaldung. Die Frage ist: Wie bekommen wir das alles unter einen Hut?“, sagt Mitautorin Almut Arneth, Ökosystemforscherin am Karlsruher Institut für Technologie.

Anders essen und anders mit Lebensmitteln umgehen, das wäre ein großer Beitrag zum Klimaschutz, so die Wissenschafter. „Zurück zum Sonntagsbraten“, sagt Popp. Das heißt: weniger tierische Produkte essen.

Nach Angaben des deutschen Umweltministeriums werden 91,6 Prozent oder 4,58 Milliarden Hektar der weltweit zur Verfügung stehenden Agrarfläche als Weide oder zur Produktion von Futtermitteln verwendet. Weniger Fleischkonsum bedeutet weniger Tiere, weniger Methan, weniger Weide- und Futtermittelfläche. Für die Menschen wäre es zudem gesünder und mehr Anbaufläche für Nahrungsmittel könnte mehr Hunger stillen. „Win-Win“ – ein Gewinn auf allen Seiten – nennt man das.

Das Bundesumweltministerium rechnet vor: Beim Anbau von einem Kilogramm frischem Gemüse entstehen 153 Gramm CO2-Äquivalent, bei biologischem Anbau sogar nur 130 Gramm. Bei einem Kilogramm Rindfleisch seien es dagegen 13.311 Gramm beziehungsweise 11.374 in der Ökolandwirtschaft. Der Weltbiodiversitätsrat hat in seinem Bericht im Mai unter anderem Agrarsubventionen gegeißelt. Er schätzt, dass im Jahr 2015 in den OECD-Ländern 100 Milliarden Dollar für potenziell naturschädliche Agrarsubventionen ausgegeben wurden.

In Österreich beträgt der Anteil der Landwirtschaft an den gesamten Treibhausgas­emissionen laut dem Bundesumweltamt rund zehn Prozent. (APA, dpa, TT)