Letztes Update am Di, 23.07.2019 15:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konsumentenschutz

ÖAMTC: „Keyless-Go“-Schließsysteme nach wie vor viel zu leicht zu knacken

Der ÖAMTC hat die sogenannten „Keyless-Go“-Schließsysteme von 273 Autos untersucht. Der Automobilclub beklagt, dass die Hersteller die bekannten Sicherheitslücken nicht schließen.

nur vier Modelle ließen sich nicht knacken.

© ÖAMTCnur vier Modelle ließen sich nicht knacken.



Wien – Mit einem Komfort-Schließsystem, einem sogenannten „Keyless-Go“-System, ausgestattete Fahrzeuge erkennen über ein Funksignal, dass man den Schlüssel bei sich trägt. Die Zentralverriegelung öffnet sich, sobald man sich nähert und den Türgriff berührt oder eine Taste am Griff drückt. Meist ist auch für das Starten kein Zündschlüssel mehr notwendig, ein Knopfdruck genügt. Bequem – allerdings hat bereits 2017 ein Test gezeigt, dass es ein solches System Dieben mitunter sehr leicht macht. Daran hat sich bis dato nichts geändert, wie laufende Überprüfungen an neuen Kfz-Modellen durch den ÖAMTC beweisen. „Mittlerweile wurden 273 Autos mit ‚Keyless-Go‘ getestet und nur vier Modelle ließen sich nicht knacken. Die meisten Hersteller wollen oder können diese Sicherheitslücke scheinbar nicht schließen“, erklärt ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl.

Fundierte Kenntnisse, etwa zum Hacken oder Entschlüsseln von Daten, seien nicht notwendig, um ein mit „Keyless-Go“ ausgestattetes Fahrzeug zu öffnen. Dafür genüge ein frei und legal erhältlicher Reichweiten-Verlängerer. „Im Test hat die ‚Verlängerung‘ des Signals sogar durch Türen und Mauerwerk funktioniert“, so Kerbl. Es reiche, den Empfänger mehrere Meter vom Schlüssel entfernt zu platzieren, um das Signal über hunderte Meter zu verlängern. Dadurch könne ein Dieb das Auto öffnen und den Motor starten, obwohl der Besitzer den Schlüssel zum Beispiel in der Hosentasche hat, während er in einem Café sitzt. „Läuft der Motor einmal, bleibt er auch ohne Schlüssel so lange in Betrieb, bis er abgestellt wird oder der Sprit ausgeht. Theoretisch könne ein Dieb also bei laufendem Motor nachtanken und das Auto problemlos über weite Strecken, auch bis ins Ausland, entführen“, warnt der ÖAMTC-Techniker.

Bessere Absicherung und Abschalt-Möglichkeit

Der ÖAMTC fordert die Hersteller auf, die Fahrzeugelektronik systematisch nach dem Vorbild verschiedener IT-Bereiche abzusichern. „Aktuell sind Autos mit ‚Keyless-Go‘-System deutlich leichter zu stehlen als andere Fahrzeuge. Einzig vier Modelle von Jaguar bzw. Land Rover waren in unseren Tests nicht zu knacken. Es ist also möglich – die anderen Hersteller müssen hier rasch nachziehen“, erklärt der ÖAMTC-Experte.

Auch sollten die Besitzer die Möglichkeit haben, nach Wunsch die Funk-Funktion ihrer Schlüssel zu deaktivieren. Wer bereits ein solches Auto hat, solle jedenfalls Nachbesserung vom Hersteller erhalten. „Eine wirksame Methode, wie der Besitzer Abhilfe schaffen kann, sind spezielle Schlüsseletuis, die die Funkwellen blockieren und damit einen Diebstahl verhindern können. Allerdings muss man so auf die Bequemlichkeit, den Schlüssel zum Öffnen und Starten des Fahrzeuges nur bei sich zu haben, verzichten und ihn stattdessen jedes Mal auspacken“, so Kerbl. (TT.com)

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