Letztes Update am Mo, 29.07.2019 11:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konjunktur

Sinkende Nachfrage führt zu Beschäftigungsabbau in der Industrie

Erstmals seit drei Jahren geht die Beschäftigung in Österreichs Industrie zurück. Stark sinkende Rohstoffkosten und starker Wettbewerb führen zu erstmaliger Verringerung der Verkaufspreise.

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Wien – Seit dem Höhepunkt zum Jahreswechsel 2016/17 schwächt sich die österreichische Industriekonjunktur mehr und mehr ab und mündete im Frühjahr 2019 in einer leichte Rezession“, berichtet die UniCredit Bank Austria in einer Aussendungg am Montag. „Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex ist im Juli 2019 erneut gesunken und liegt mit nur noch 47 Punkten mittlerweile den vierten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Bereits seit Beginn des laufenden Jahres habe sich das Neugeschäft der heimischen Industrie rückläufig entwickelt. Der Grund dafür sei die Abschwächung im Welthandel, die zu starken Einbrüchen bei den Auslandsaufträgen geführt habe. „Die aktuelle Industriekonjunktur in Österreich ist weiterhin von einer Schwäche der Nachfrage nach „Made in Austria“ gekennzeichnet“, so Bruckbauer.

Beschäftigungsabbau hat eingesetzt

Mit einer Verzögerung von drei Monaten folge der Verringerung der Produktionsleistung nun auch ein Abbau der Beschäftigung. Der Beschäftigtenindex sank im Juli auf 47,6 Punkte und liege damit erstmals seit März 2016 unter der Wachstumsgrenze. Durch die ausgezeichnete Industriekonjunktur in den vergangenen Jahren habe sich die Arbeitslosenquote in der Sachgütererzeugung auf durchschnittlich 3,7 Prozent bis zum ersten Halbjahr 2019 verringert.

„Mit der nun eingesetzten Trendumkehr erwarten wir für das Gesamtjahr 2019 bestenfalls auch eine Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent. Damit wird die Lage am sektoralen Arbeitsmarkt jedoch weiterhin deutlich günstiger sein als in der Gesamtwirtschaft mit einer erwarteten durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent“, so UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Ausgeprägte Nachfrageschwäche dämpft Preisentwicklung

Der Rückgang des Neugeschäfts würde sich auch in den aktuellen Preistrends niederschlagen. Die Kosten für Rohstoffe und Vormaterialien seien im Juli stark gesunken. Die heimischen Industriebetriebe haben aufgrund des scharfen Wettbewerbs in einem schwachen Nachfrageumfeld sogar erstmals seit 34 Monaten die Verkaufspreise leicht reduziert, um Umsatzeinbußen entgegenzuwirken. Unterstützt durch die stark sinkenden Einkaufspreise sei es den heimischen Industriebetrieben gelungen trotz eines schwachen Nachfrageumfeld die Gewinnmargen zu sichern. „Die Ertragssituation hat sich im Durchschnitt im Juli gegenüber dem Vormonat sogar tendenziell verbessert“, meint Pudschedl.

Generell liege Österreich mit einem vorläufigen Einkaufsmanagerindex im Durchschnitt in der Eurozone und damit etwas besser als Deutschland. Die österreichische Industrie habe sich von dieser besonders ungünstigen Entwicklung etwas abkoppeln können, da sie von branchenspezifischen Problemen der deutschen Industrie, unter anderem durch die Übergewichtung der osteuropäischen Märkte, nicht im gleichen Ausmaß betroffen sei.

Schwelende Handelskonflikte und politische Spannungen würden dem globalen Handel und damit der österreichischen Exportwirtschaft weiter stark zusetzen. „Die deutliche Verringerung der Einkaufsmenge, der Abbau der Vormateriallager und der erstmalige Rückgang der Beschäftigung im Juli zeigen eine anhaltende Verunsicherung. Auch auf Jahresfrist haben sich die Aussichten für die österreichische Industrie eher verschlechtert“, meint Bruckbauer. (TT.com)