Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 26.08.2019


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Eigene Roaming-Regeln: An Bord bleibt das Handy besser aus

„Roam like at Home“ in ganz Europa? Auf Kreuzfahrtschiffen, Fähren und in Flugzeugen gelten eigene Regeln. Vor überbordenden Kosten wird eindringlich gewarnt.

Das Handy ist auch im Urlaub immer dabei. Wer ein Selfie verschicken will, sollte aber damit warten, bis das Schiff angelegt hat.

© E+Das Handy ist auch im Urlaub immer dabei. Wer ein Selfie verschicken will, sollte aber damit warten, bis das Schiff angelegt hat.



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Noch schnell ein letztes Foto beim Posieren vor der Fähre oder dem Kreuzfahrtschiff als Beweis: Die Reise kann losgehen! Verschickt wird die Aufnahme dann samt Nachricht von Bord aus an Familie und Freunde. Ein Urlaub ohne Smartphone ist für viele heute unvorstellbar, zu sehr hat man sich an die vielen Vorteile gewöhnt: in Verbindung bleiben zu können mit zu Hause, sich schnell informieren zu können über Sehenswürdigkeiten im Reiseland oder das beste Restaurant und den schönsten Strand in der Nähe zu googeln. Durch die Roaming-Verordnung fühlen sich die Benutzer sicher, doch nicht alle wissen, dass diese auf Schiffen und in Flugzeugen nicht gilt.

Die Reedereien und Fluggesellschaften nutzen eigene Netze. Soll es daheim mit der nächsten Telefonrechnung kein böses Erwachen geben, sollte man sich deshalb rechtzeitig informieren. Laut der Aufsichtsbehörde Rundfunk- und Telekom-Regulierungs-GmbH (RTR) gelten eigene, oft sehr teure Roamingentgelte, es gebe keinerlei Schutzvorschriften. Betreiber müssten nicht über Kosten informieren, zum Beispiel per Informations-SMS. Auch das 60-Euro-Limit für Datenroaming gilt nicht. „Bei der Handynutzung auf Schiffen sollte man besonders sorgfältig sein, es könnten hohe Kosten entstehen“, warnt RTR. Grund sind die sehr aufwändigen und deshalb auch sehr teuren Satellitenverbindungen, viele sind sich dessen nicht bewusst und bekommen – wieder daheim – Rechnungen in Höhe von einigen hundert oder sogar tausend Euro. Immer wieder gibt es dazu Anfragen, bestätigt RTR-Sprecher Gregor Gradnig. „Roam like at Home“ heißt der Grundsatz, auf den sich seit zwei Jahren innerhalb der EU alle verlassen. Im Ausland gelten die gleichen Freiminuten und Frei-SMS wie daheim.

„In dem Moment, in dem man ins Bordnetz einsteigt, gelten allerdings die Tarife der Reederei oder der Airline“, bestätigt Christian Schuster-Wolf von der Rechts- und Konsumentenpolitischen Abteilung der Arbeiterkammer (AK) Tirol. Besonders das Runterladen von Videos – „das sind gigantische Datenmengen“ – kann sehr hohe Kosten verursachen.

Auch im oder in der Nähe eines Hafens könne man sich nicht automatisch sicher fühlen, es sei besser, nachzuschauen, in welchem Netz man gerade eingeloggt ist – noch an Land oder schon im Bordnetz. Anders als in der Luft und auf hoher See haben Smartphone-Besitzer dort noch die Wahlmöglichkeit und können böse Überraschungen durch manuelle Einstellungen am Handy vermeiden. Wer von Bord geht, sollte auf jeden Fall sichergehen, ausgeloggt zu sein. Schuster-Wolf: „Viele gehen davon aus, dass das automatisch passiert, was aber nicht immer der Fall ist.“ Auch an Land können so im Nachhinein noch hohe Kosten entstehen.

Wer entspannt seinen Urlaub antreten will, sollte am besten noch vor der Abreise im Handy-Vertrag nachsehen, welche Bestimmungen gelten, oder mit dem Provider gezielte Vereinbarungen treffen. Und wer sich an Bord ins Netz der Reederei oder Fluglinie einloggen will, bevor er die Bestimmungen akzeptiert, auch die Konditionen genau durchlesen.

Die gute Nachricht zum Schluss: Die meisten österreichischen Betreiber bieten freiwillig das 60-Euro-Limit für die Datennutzung und das Informations-SMS beim erstmaligen Einbuchen in das Netz auf Schiffen an. In manchen Fällen ist es auch gelungen, auf Kulanzwegen im Nachhinein die überbordenden Kosten zu senken.

Rund ums Roaming

Roamingsperren für Länder außerhalb der EU bieten diese Betreiber an: 3 (Hutchison Drei Austria GmbH), HoT (HoT Telekom und Service GmbH), Liwest Mobil (LTK Telekom und Service GmbH), Rapid Mobil (RTK Telekom und Service GmbH), spusu (Mass Response Service GmbH), HELP mobile (Mass Response Service GmbH), Tchibo mobil (Mass Response Service GmbH) , A1 und B.free (A1 Telekom Austria AG). Die Sperre kann für A1- und B.free-Vertragstarife bei der Kundenhotline beantragt werden. Gilt nicht für Wertkartentarife und andere Marken von A1.

Die EU-Roaming-Regelung gilt in allen EU-Mitgliedstaaten sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen, nicht aber in der Schweiz. In all diesen Ländern zahlen Nutzer — mit gewissen Einschränkungen — dasselbe wie in Österreich. Es gilt der Grundsatz „Roam like at Home" (RLAH). Hat man also einen Tarif, in dem Minuten, SMS und Datenvolumen enthalten sind, dann werden diese Einheiten — genau wie im Inland — auch bei Nutzung im EU-Ausland abgezogen. Bei einem Tarif ohne inkludierte Einheiten wird derselbe Preis verrechnet, wie wenn das Handy im Inland benutzt wird, man bezahlt also maximal den Preis in ein anderes österreichisches Netz.

Telefonieren ins Ausland gilt mit einer österreichischen SIM-Karte nicht als Roaming, solche Gespräche oder SMS fallen nicht unter die EU-Roaming-Verordnung. Was diese Auslandsgespräche oder SMS kosten, darüber informiert der jeweilige Mobilfunkbetreiber.

Quelle: RTR




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