Letztes Update am Di, 27.08.2019 08:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konjunktur

Deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal um 0,1 Prozent geschrumpft

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel von April bis Juni um 0,1 Prozent zum Vorquartal. Vorraussagen für das dritte Quartal lassen eine Rezession befürchten.

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Wiesbaden, Berlin – Handelskonflikte und eine schwächere Weltkonjunktur haben die exportabhängige deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal schrumpfen lassen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel von April bis Juni um 0,1 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag eine frühere Schätzung bestätigte. Zum Jahresauftakt war Europas größte Volkswirtschaft noch um kräftige 0,4 Prozent gewachsen.

Schrumpft die Wirtschaft im laufenden Sommerquartal erneut, sprechen Experten von einer Rezession. Die jüngsten Konjunktursignale stimmen pessimistisch: Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im August auf den schlechtesten Wert seit fast sieben Jahren, weil die Schwäche der Industrie zunehmend auf die Dienstleister überzugreifen droht.

Konsum als Konjunkturstütze

Der Außenhandel bremste im Frühjahr das Wachstum, da die Exporte im Vergleich zum Vorquartal mit 1,3 Prozent stärker zurückgingen als die Importe mit einem Minus von lediglich 0,3 Prozent, erklärte das Statistikamt. Die Verbraucher konsumierten dagegen angesichts von Rekordbeschäftigung und steigenden Löhnen mehr und erwiesen sich als Konjunkturstütze: Die privaten Konsumausgaben lagen um 0,1 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Auch der Staat steigerte seine Konsumausgaben – und zwar um 0,5 Prozent.

Die Unternehmen investierten außerdem mehr. Die Bauinvestitionen schrumpften allerdings um 1,0 Prozent: Wegen des milden Winters wurden viele Bauleistungen schon im ersten Quartal erbracht, die sonst übliche Frühjahrsbelebung am Bau fiel daher aus.

Staat machte 45 Milliarden Überschuss im Halbjahr

Deutschland steuert 2019 trotz drohender Rezession auf das sechste Jahr in Folge mit einem Budgetüberschuss zu. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung nahmen im ersten Halbjahr 45,3 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Der Überschuss entspricht 2,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP).

„Die Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen konnten damit weiterhin insbesondere von einer günstigen Beschäftigungsentwicklung profitieren“, erklärten die Statistiker. Wegen der guten Konjunktur schreibt der deutsche Staat bereits seit 2014 schwarze Zahlen. Nicht zuletzt wegen der Rekordbeschäftigung und höherer Löhne steigen die Steuer- und Beitragseinnahmen, während niedrige Zinsen auf der Ausgabenseite entlasten. (APA, Reuters)