Letztes Update am Mi, 28.08.2019 14:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hintergrund

Handel Österreichs mit Brasilien steigt, viele große Firmen aktiv

Österreich bezieht aus Brasilien vor allem Nahrungsmittel, Erz und Zellstoff und liefert Pharmaprodukte, Anlagen, Energy Drinks und Flugzeugteile. Österreichs Bauern macht das Mercosur-Abkommen Sorgen.

Das Mercosur-Abkommen stößt auf breite Ablehnung: Protestkundgebung vor der brasilianischer Botschaft.

© APADas Mercosur-Abkommen stößt auf breite Ablehnung: Protestkundgebung vor der brasilianischer Botschaft.



Wien – Österreichs Außenhandel mit Brasilien hat im Vorjahr expandiert. Die Wirtschaft im größten Land Südamerikas erholte seit 2017 sich langsam nach den schlimmen Rezessionsjahren. Österreich bezieht aus Brasilien Nahrungsmittel, Erz und Zellstoff und liefert Pharmaprodukte, Industrieanlagen, Maschinen und Energy Drinks. Vor Ort aktiv sind die Großen wie voest, Andritz, Palfinger, Miba und RHI.

Österreichische Unternehmen exportierten 2018 Waren im Wert von 833 Millionen Euro, das waren um fast 15 Prozent mehr als 2017. Brasilien ist damit laut Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) der achtwichtigste Überseemarkt für die Exportwirtschaft und der wichtigste in Südamerika. Der Anteil an allen österreichischen Exporten lag im Vorjahr bei rund 0,6 Prozent.

Österreich erzielt Handelsüberschuss

Die Einfuhren aus Brasilien nach Österreich erhöhten sich um 30 Prozent auf 454 Millionen Euro und waren damit in etwa halb so hoch wie die Ausfuhren. Die Importe sind stark konzentriert auf Nahrungsmittel - Orangensaft, Frischobst, Kaffee, Fleisch, Tierfutter - sowie Eisenerz, Zellstoff und chemische Erzeugnisse.

Die Exporte seien erfreulicherweise sehr breit gefächert, so die Wirtschaftskammer. Wichtige Exportgüter sind demnach Pharmaerzeugnisse, bearbeitete Waren wie Stahlbleche und -profile, Schienen und Feuerfestmaterialien sowie Industrieausrüstungen – wie beispielsweise Stahlguss-, Zellstoff- und Bergbauanlagen sowie Metallbearbeitungs- und Kunststoffmaschinen. Aber auch Energy Drinks, Pkw, Bahnbaumaschinen, Flugzeugteile und Generatoren gehörten zu den österreichischen Exportschlagern.

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Die Zahl der österreichischen Brasilien-Exporteure liege bei geschätzt 1000. Mehr als 200 Unternehmen hätten Niederlassungen in Brasilien, größtenteils für Industrieausrüstungen und Zulieferungen. Zu den größten Investoren aus Österreich zählen unter anderm die voestalpine, Andritz, Alpla, Palfinger, Greiner BioOne, Miba und Plasser und Theurer. Der Feuerfesthersteller RHI hat vor kurzem mit seinem brasilianischen Konkurrenten Magnesita zur heutigen RHI Magnesita fusioniert. Der Faserkonzern Lenzing will bis Jahresende über eine Ein-Milliarde-Dollar Großinvestition gemeinsam mit dem brasilianischen Partner Duratex entscheiden, wobei 51 Prozent auf Lenzing entfallen sollen.

Streitfall Mercosur

Das Mercosur-Abkommen zur Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und den vier südamerikanischen Ländern Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay muss nach der Grundsatzeinigung vom Juni nun noch von den 28 EU-Mitgliedern ratifiziert werden. Frankreich und Irland drohten zuletzt mit einer Blockade, sollte die brasilianische Regierung nicht energischer gegen die Brände vorgehen.

In Österreich fürchten vor allem die Agrarier, durch Mercosur noch stärker unter Druck zu kommen, wenn nämlich aus Brasilien oder auch Argentinien mehr bzw. billigeres Rindfleisch oder auch Zucker nach Europa geliefert werden können. (APA)