Letztes Update am Mi, 28.08.2019 15:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Brexit

Banken bringen wegen des Brexit Billionenwerte in Euroraum

Sobald Großbritannien aus der Europäischen Union ausgeschieden ist, dürfen Banken nicht mehr wie bisher von London aus Finanzgeschäfte in der EU betreiben

Ein Blick auf die Skyline von London. Viele internationale Banken haben dort ihren Sitz. Die Frage ist aber: wie lange noch.

© AFPEin Blick auf die Skyline von London. Viele internationale Banken haben dort ihren Sitz. Die Frage ist aber: wie lange noch.



Frankfurt, London – Im Zuge des Brexit werden Geldhäuser nach Einschätzung der EZB-Bankenaufsicht in erheblichem Umfang Geschäfte in den Euroraum umschichten. „Am Ende des Prozesses werden wir Vermögenswerte in Höhe von etwa rund 1300 Milliarden Euro haben, die von London in den Euroraum verlagert werden“, sagte der Chef der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), Andrea Enria.

24 Banken werden nach Angaben Enrias umziehen. Sieben davon werden unter direkter Aufsicht der EZB stehen, die 17 anderen fallen unter die jeweilige nationale Aufsicht ihres künftigen Standorts, wie der oberste EZB-Bankenaufseher ausführte. Die EZB mit Sitz in Frankfurt überwacht seit November 2014 die größten Geldinstitute im Euroraum direkt. Derzeit sind es 114 Banken und Bankengruppen.

Hauptziel ist Frankfurt

Der angestrebte britische EU-Austritt zwingt Banken am Finanzplatz London, sich zumindest teilweise umzuorientieren. Denn sobald Großbritannien aus der EU ausgeschieden ist, dürfen Banken nicht mehr wie bisher von London aus Finanzgeschäfte in der EU betreiben. Für Dienstleistungen wie Einlagen- und Kreditgeschäfte benötigen die Institute rechtlich selbstständige Einheiten in einem EU-Staat. Viele der betroffenen Banken zieht es nach Frankfurt.

Eigentlich wollten die Briten Ende März die EU verlassen haben, doch da es im Parlament in London keine Mehrheit für den Austrittsvertrag mit Brüssel gab, bekam Großbritannien Aufschub bis Ende Oktober. (APA, dpa)