Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.08.2019


Produkttest

In simplen Speisen sind viele Zutaten

Joghurt mit Erdbeeren soll man laut VKI möglichst selbst zubereiten.

© dpaJoghurt mit Erdbeeren soll man laut VKI möglichst selbst zubereiten.



Basilikumpesto mit Sonnenblumen- statt Olivenöl (8 von 13 getesteten Produkten), Erdbeerjoghurt mit zugesetzten Aromen (17 von 23 Produkten) sowie ein Zutatencocktail bei Mousse au Chocolat, Vanilleeis oder Vanillemilch: Das und viel mehr fand der Verein für Konsumenteninformation (VKI) bei einem aktuellen Test von an sich einfach herzustellenden Lebensmitteln.

Gesamt wurden 80 Produkte überprüft. Das auffälligste Ergebnis war, dass Lebensmittel, die im Grunde genommen aus nur wenigen, einfachen Zutaten hergestellt werden können, oft erstaunlich komplex zusammengesetzt sind. „Ein nüchterner Blick auf die Zutatenliste lohnt sich", betont VKI-Ernährungswissenschafterin Katrin Mittl-Jobst, „denn die Gestaltung der Verpackung sagt nichts über die tatsächliche Zusammensetzung der Lebensmittel aus. Berechtigte Erwartungshaltungen von Konsumenten werden hier oft enttäuscht."

Je nach Hersteller wurden beim Vanilleeis beispielsweise zwischen fünf und 24 Inhaltsstoffen gezählt. Doch auch bei den Hauptzutaten offenbarte sich Überraschendes: So enthielten drei von sieben Tiramisus hauptsächlich Wasser und Glukosesirup anstelle von Mascarpone — obwohl die Hersteller ihre Produkte auf der Verpackung unter anderem mit „Autentica Ricetta Italiana" (original italienisches Rezept) oder „hergestellt in einem kleinen italienischen Betrieb" ausgelobt hatten.

Bei einem Mousse-au-Chocolat-Produkt aus dem Supermarkt wurden 17 verwendete Zutaten gefunden — neben Speisegelatine auch Palmöl, verarbeitete Algen, Aroma und ein Schaummittel. Der Rat der Konsumentenschützer des VKI: „Wer keinen Zutatencocktail möchte, bereitet sie am besten selbst zu", so Mittl-Jobst. Außerdem gebe es große Unterschiede innerhalb der einzelnen Produktkategorien, ein Blick auf Länge und Umfang der Zutatenliste lohne sich jedenfalls. Da bei Bio-Lebensmitteln Zusatzstoffe nur eingeschränkt eingesetzt werden, lohne sich der Griff zu diesen Alternativen.

Und sollten sich Konsumenten durch ein Lebensmittel oder dessen Aufmachung getäuscht fühlen, könne man diese beim VKI melden. (TT)