Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 06.09.2019


Klimadebatte

Österreicher lassen sich „Bio“ 1,9 Mrd. Euro kosten

Die Klimadebatte treibt die Nachfrage nach Bio an, Hauptmotiv für den Kauf ist aber Gesundheit. Greenpeace fordert mehr Biojausen im Handel.

Die Österreicher gaben im Jahr 2018 um fünf Prozent mehr für Bio-Produkte aus als noch im Jahr davor.

© Getty ImagesDie Österreicher gaben im Jahr 2018 um fünf Prozent mehr für Bio-Produkte aus als noch im Jahr davor.



Wien – Der Appetit nach Bio-Lebensmitteln steigt in Österreich stetig. Der Einkaufswert von Bio-Lebensmitteln in Österreich stieg von 2017 auf 2018 um fünf Prozent auf 1,9 Milliarden Euro, erklärten der Agrar-Vermarkter AMA und der Verband Bio Austria bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Organisationen sehen vor allem in der Gastronomie, in Großküchen und im Einzelhandel noch Potenzial.

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Die Klima- und Umweltdebatte trage zwar auch zur gestiegenen Nachfrage nach Bio-Produkten bei, Tierwohl bzw. Umwelt sind nicht wie erwartet die häufigsten Motive für den Griff zu Bio. Bio stehe für Natürlichkeit und diene dem eigenen Wohl. „Nachhaltigkeit, Regionalität und Bio gehen Hand in Hand. Konsumentinnen und Konsumenten erwarten besonders regionale Bio-Produkte, sobald diese in Österreich Saison haben“, so AMA-Chef Michael Blass. Der Wunsch nach Gesundheit, dem Körper etwas Gutes zu tun, steht aber an erster Stelle der Kaufmotive, wie eine AMA-Analyse ergeben hat.

„Die Klimakrise bringt Bio vermehrt in den Fokus“, stellte Bio-Austria-Obfrau Gertraud Grabmann fest. Der Auftrag sei nun, die Konsumentinnen und Konsumenten mehr über die Bioproduktion aufzuklären und den Markt, vorrangig in Österreich, weiterzuentwickeln. 77 Prozent der Bio-Produkte werden im Lebensmitteleinzelhandel gekauft, 17 Prozent im Direktvertrieb und Fachhandel, sechs Prozent in der Gastronomie. „Beeindruckend finde ich den steigenden Absatz an Bio-Produkten im Lebensmitteleinzelhandel“, sagte Blass. Während deren Anteil 2016 7,9 Prozent betrug, kletterte er im Jahr 2018 auf 9 Prozent.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace sieht aber zum Schulbeginn noch deutlichen Aufholbedarf an Biojausen in Supermärkten. Laut einem Test der NGO würden demnach nur einzelne Bio-Produkte angeboten, in den Sortimenten mangle es an Auswahlmöglichkeiten. Im Schnitt fanden sich gut 80 Prozent der getesteten Jausenprodukte in Bio-Qualität in den Supermärkten. Greenpeace fordert jedoch einen höheren Anteil.

Der Bio-Anteil in der Gastronomie sei hingegen im selben Zeitraum nur von 2,7 auf 3,1 Prozent gestiegen. Hier sieht Grabmann noch viel Potenzial. Ebenso in öffentlichen Großküchen, wo der Anteil laut Grabmann „keine nennenswerte Größe“ habe. Sie fordert deshalb von der nächsten Bundesregierung, den Anteil in der öffentlichen Verpflegung auf 60 Prozent zu steigern. Außerdem stecke auch Potenzial in den österreichischen Rohstoffen, die man sich zunutze machen müsse.

In der österreichischen Landwirtschaft ist der Anteil von biologischer Produktion vergleichsweise höher als am Markt. Auf rund einem Viertel der heimischen Anbauflächen wird Bio produziert, 21 Prozent der Betriebe sind „Bio“-zertifiziert. (ecke)