Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.09.2019


Markt

Facebooks Libra-Pläne unter scharfer Beobachtung

Viele Fragen hat die Nationalbank (OeNB) zur geplanten Währung der Plattform. Die Schweiz stellt strenge Anforderungen in Aussicht.

Was haben Nutzer mit dem Facebook-Geld Libra in der Hand? Diese Frage ist für Kryptowährungs-Experte Beat Weber entscheidend .<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: AFP/Venance</span>

© AFPWas haben Nutzer mit dem Facebook-Geld Libra in der Hand? Diese Frage ist für Kryptowährungs-Experte Beat Weber entscheidend .Foto: AFP/Venance



Von Cornelia Ritzer

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Wien – Die Online-Plattform Facebook will in der ersten Hälfte 2020 die Digitalwährung Libra auf den Markt bringen – und steht dabei unter scharfer Beobachtung. Notenbanken, Aufseher und Politiker haben Vorbehalte geäußert, zuletzt mahnten die Finanzminister und Notenbank-Chefs der G7-Staaten die Einhaltung höchster Aufsichtsstandards ein. Auch Beat Weber, Ökonom bei der Österreichischen Nationalbank (OeNB) und Kryptowährungs-Experte, sieht beim Facebook-Projekt genau hin, denn dass ein „Konzern eine eigene globale Privatwährung auf die Beine stellen will, ist ein Novum“.

Eine Währung ist ein zentrales Werkzeug in unserem Wirtschaftssystem, das durch hohe Qualitätsanforderungen und öffentliche Regeln gesichert wird, erklärt Weber. „Ob ein privates Projekt in der Lage ist, diese Aufgaben zu erfüllen, muss erst noch geklärt werden.“ Eine entscheidende Frage bei Libra sei außerdem: „Was habe ich als Nutzer in der Hand?“ Im Unterschied zur Kryptowährung Bitcoin sei die geplante Digitalwährung zwar kein spekulatives Anlageobjekt und man wisse, wer verantwortlich ist und dahintersteht. Trotzdem gebe Libra im Unterschied zu einer offiziellen Währung mit Garantien nur ein „diffuses Stabilitätsversprechen“. Man wisse nicht, ob der Kurs schwanke, außerdem „haben die Betreiber ein legitimes Interesse, gute Geschäfte zu machen“, analysiert Weber.

Möglichkeiten dafür gebe es viele: Mit einem eigenen Zahlungsmittel könne man Kunden stärker an eine Plattform binden und das Geschäftsfeld durch einen digitalen Marktplatz nach Amazon-Vorbild erweitern. Das deutsche ifo Institut sieht in einem aktuellen Aufsatz zwar Vorteile für Bürger in Schwellenländern, die sich mittels der Facebook-Währung der finanziellen Repression durch die Regierung entziehen könnten. Aber die Autoren erwarten beim Libra-Projekt auch die Abschöpfung von Gewinnen sowie die Sammlung von Nutzerdaten.

Facebook machte Genf zur Heimat seines Digitalwährungs-Projekts und erwägt, sich der Schweizer Aufsichtsbehörde Finma zu unterstellen. Man wolle einen Antrag auf Lizenz als Zahlungssystem stellen. Gestern teilte Finma mit, dass sich der US-Konzern auf strenge regulatorische Vorgaben einstellen muss. Und da auch Münzen ausgegeben werden sollen, müssen zusätzliche Anforderungen erfüllt werden.

Auch OeNB-Ökonom Weber pocht auf strikte Einhaltung der Regeln und plädiert für eine globale Absprache. Eine Gefahr sei, dass einzelne Staaten eigene Regeln setzen. Und ein großer Player wie Facebook könne dann versuchen, „Standorte gegeneinander auszuspielen“.