Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 27.09.2019


Umfrage

„Regional“ ist ein dehnbarer Begriff

Tiroler greifen laut Umfrage gern zu Produkten aus der Nachbarschaft. Doch auch Regionalität hat Grenzen.

Regionale Produkte sind gefragt wie nie, sagen Armin Riedhart (Gastrogroßhändler) und Stefan Mair (WK Tirol Lebensmittelhandel).

© HrdinaRegionale Produkte sind gefragt wie nie, sagen Armin Riedhart (Gastrogroßhändler) und Stefan Mair (WK Tirol Lebensmittelhandel).



Von Jasmine Hrdina

Wörgl, Innsbruck – Regionalität ist zwar in aller Munde, aber noch nicht auf allen Tellern. Und das, obwohl das Thema zunehmend an Bedeutung gewinnt. So zeigt es zumindest jene Umfrage unter 500 Tirolern, die Vertreter der Sparte Lebensmittelhandel der Tiroler Wirtschaftskammer gestern in Wörgl präsentierten.

Das wohl bemerkenswerteste Ergebnis daraus: „Regional“ ist für die Befragten ein dehnbarer Begriff. Während Eier, Obst und Gemüse sowie Milch und Milchprodukte idealerweise aus der direkten Nachbarschaft kommen sollen, verdient für die meisten auch Fleisch aus anderen österreichischen Bundesländern diese Bezeichnung. Am wenigsten auf die Herkunft achten die Tiroler laut der Umfrage übrigens bei (alkoholischen) Getränken, Fertiggerichten und Süßigkeiten.

Qualität, guter Geschmack und Gesundheit spielen bei Kaufentscheidungen die größte Rolle, an vierter Stelle steht die Regionalität (für 54 Prozent war dieses Kriterium „sehr wichtig“). Der Preis findet sich erst weiter unten auf Platz 11, wichtiger sind u. a. Inhaltsstoffe, Tierschutz, der Zuckergehalt sowie eine „biologische Herkunft“.

Bei Letzterem gibt es allerdings noch Aufklärungsbedarf: Die Hälfte der Befragten glaubt, dass die Bezeichnung „regional“ automatisch auch „bio“ bedeutet. Wobei der Regionalität offenbar mehr Wertigkeit zukommt: Bei der Wahl zwischen einem Salatkopf aus Tirol ohne Gütesiegel und einer italienischen Bio-Variante würden 86 Prozent das heimische Produkt ins Einkaufswagerl legen.

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„Wir sind auf dem Weg zur Regionalität erst ein paar Kilometer gegangen, aber das Bewusstsein dafür wird größer“, fasst Stefan Mair, Gremialobmann Tiroler Lebensmittelhandel der Wirtschaftskammer Tirol zusammen.

In der Gastronomie sei die Trendwende noch nicht so spürbar, berichtet Gastro­großhändler Armin Riedhart. Hier seien die Verfügbarkeit von Waren und das Preis-Leistungs-Verhältnis immer noch ausschlaggebend für Kaufentscheidungen. „Der Gastronom ist auch empfindlicher, was die geichbleibende Qualität angeht. Er will schließlich perfekte Produkte an den Gast bringen.“ Als Händler nur noch Rinder von Tiroler Almen anzubieten, sei nicht möglich. „Diese Menge könnte man in Tirol nicht abdecken“, sagt auch der Kammervertreter. Der Trend hin zum bewussteren Fleischkonsum (weniger, hochwertig, regional) sei definitiv spürbar. Der Markt beim Gemüse sei stark gewachsen, beim Fleisch stagniere er. „Wer glaubt, dass Tiroler Landwirtschaft künftig nur auf Almen stattfindet, irrt“, sagt Mair.