Letztes Update am Di, 22.10.2019 14:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Insolvenzen

Studie: Österreichische Firmen mit höheren Zahlungsrisiken

In den letzten 12 Monaten wurden Lieferantenkrediten stärker genutzt. Es gab mehr Forderungsausfälle und längere Zahlungsfristen.

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Wien – In Österreich sind Lieferanten und Dienstleister in den vergangenen zwölf Monaten höhere Zahlungsrisiken eingegangen: Lieferantenkredite wurden stärker genutzt, es gab mehr Forderungsausfälle und längere Zahlungsfristen, geht aus dem aktuellen Zahlungsmoralbarometer des Kreditversicherer Atradius hervor. Bei den Unternehmensinsolvenzen wird heuer ein Anstieg um 2 Prozent erwartet.

„Insgesamt erscheint die österreichische Wirtschaft derzeit noch robust. Die häufigere Nutzung von Lieferantenkrediten und die längeren Zahlungsfristen geben jedoch einen Hinweis auf das schwächelnde Auslandsgeschäft“ so Franz Maier, Generaldirektor Österreich, Ungarn und Südosteuropa von Atradius am Dienstag in einer Pressemitteilung. Österreichs Firmen hätten hier zuletzt höhere Risiken akzeptieren müssen, um ihre Umsätze zu sichern.

Zahlungsausfälle stiegen

Das Volumen der Geschäfte, bei denen Unternehmen ein Zahlungsziel gewährten, stieg laut Studie innerhalb eines Jahres auf 65,3 Prozent. In der vorgegangen Befragung waren es nur 29,5 Prozent. Die durchschnittliche Dauer der Zahlungsfristen stieg von 23 auf 31 Tage. Bei den offenen Außenständen mussten nun 2,4 Prozent als uneinbringlich abgeschrieben werden – nach weniger als 1 Prozent.

Die Zunahme der Zahlungsausfälle gehe mit einem erhöhten Insolvenzrisiko in der Volkswirtschaft einher, heißt es in der Mitteilung. Atradius erwarte einen Anstieg bei den Firmenpleiten um 2 Prozent in Österreich und damit weniger als in Westeuropa (plus 2,7 Prozent). Als Gründe dafür nennt der Kreditversicherer unter anderem die US-Handelspolitik und die Schwäche des Welthandels. Die Entwicklungen beeinträchtigten vor allem Deutschland, von dessen Konjunktur Österreich als enger Handelspartner stark abhängig sei.

Verhaltene Aussichten

Nach Branchen betrachtet gab es zuletzt den stärksten Anstieg bei den Forderungsausfällen im Agrarsektor von 1,4 auf 3,4 Prozent der Umsätze. Firmen der Konsumgüter- und Maschinenbaubranche mussten zuletzt im Durchschnitt 2,6 Prozent ihrer Außenstände als Verlust verbuchen, Dienstleistungsunternehmen 2,1 Prozent. Einen relativ geringen Anteil von uneinbringlichen Forderungen gab es im Stahl- und Metallsektor mit 1,2 Prozent, nach weniger als ein Prozent. Bei Klein- und Mittelbetrieben (KMU) hat sicher Anteil von ein Prozent auf 2,6 Prozent erhöht, bei Großunternehmen von 1,7 auf 2,5 Prozent.

Für die kommenden Monate sind die Firmen im Bezug auf die Zahlungsmoral im Firmengeschäft verhalten: 26 Prozent erwarten eine weitere Verschlechterung, 22 Prozent eine Verbesserung und 52 Prozent keine Veränderung. Bei den Unternehmensinsolvenzen erwartet Atradius für das kommende Jahr einen Anstieg um 1 Prozent.

Für das Atradius-Zahlungsmoral-Barometer für Westeuropa wurden insgesamt 2700 Unternehmen in 13 Ländern befragt, darunter auch in Österreich. (APA)