Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.10.2019


Markt

Smartphone wird zur Geldbörse

Burkhard Balz, Vorstand der Deutschen Bundesbank, sieht derzeit ein Nachlassen des Krypto-Hypes.

Das Smartphone wird den Zahlungsverkehr noch mehr verändern.

© iStockphotoDas Smartphone wird den Zahlungsverkehr noch mehr verändern.



Von Verena Langegger

Innsbruck – „Smartphones haben unser Leben, aber auch die Industrie verändert“, sagt der Banker Burkhard Balz. Und er kennt sich aus mit dem Geld – seit September 2008 ist der Jurist Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, zuvor war er Mitglied des Währungsausschusses des EU-Parlaments. Seine Spezialgebiete sind die Bereiche Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme. Eben in jenen Bereichen sieht er derzeit „die größten Veränderungen und neue Herausforderungen“, erklärte er gestern am MCI Innsbruck. Drei von vier Zahlvorgängen werden in Deutschland und Österreich zwar noch immer mit Bargeld abgewickelt, trotzdem sieht Balz die Zukunft im „mobilen Bezahlen“, wegen der Bequemlichkeit der Kunden.

Nachgelassen habe jedoch der Hype um Krypto-Token: „Entgegen der Ankündigung von diversen Propheten hat sich der Krypto-Token nicht durchgesetzt.“ Trotzdem analysierten Experten der Bundesbank digitales Geld, „man wisse ja nicht, was sein werde“. Auch die Facebook-Währung Libra sei „nur noch ein Projekt“.

Die Coins sollen zwar an einen Währungskorb gebunden werden, derzeit gebe es jedoch Abwanderungstendenzen beteiligter Unternehmen. (Anmerkung: Ebay, Mastercard, Paypal und Visa gehören nicht mehr zu den Libra-Gründungsmitgliedern.) Doch gerade über Netzwerke könnten viele Interessenten gefunden werden. Und durch die bekannten Internetriesen (Apple, Amazon, Google) drohe eine Monopolisierung. Balz wünscht sich daher für Europa ein eigenes relevantes Zahlungssystem. „Man sollte nicht nur zwischen amerikanischen und chinesischen Anbietern wählen können“, findet Balz. Punkten könnte dieses EU-Inland-Payment-System mit Echtzeitüberweisung und mit mehr Datenschutz. Balz appelliert an die europäischen Banken, eine eigene Marke im europäischen Zahlungsverkehr zu schaffen.